Predigt vom 31. Oktober 2008

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Predigt am 31.Oktober 2008

 

-REFORMATIONSFEST UND 25-JÄHRIGES JUBILÄUM DER MARTIN-LUTHER-KIRCHE -

in der Martin-Luther-Kirche zu Mönchengladbach - Rheindahlen über  Römer 1,16+17

 

Liebe Festgemeinde!

 

25 Jahre Martin—Luther-Kirche –ein Vierteljahrhundert! In dieser langen Zeit wurden junge Menschen in unserer Kirche konfirmiert  , Kinder getauft ,Brautpaare getraut, Trostgottesdienste für unsere heimgegangen Gemeindeglieder ,Predigtgottesdienste und Abendmahlsgottesdienste gehalten  und fröhliche Gemeindefeste gefeiert.

Dazu kamen Sondergottesdienste ,Begegnungen, Vorträge und Veranstaltungen – man kann wirklich sagen: unsere Martin-Luther-Kirche ist ein Gotteshaus ,das lebt!

Dazu gehören aber auch der Jugend- und Kinderbereich, die Ballett- und Gymnastikarbeit ,die Mal-,Zeichen und alle anderen Kurse und die Kreuzbund- und AA-Gruppen ,die sich in unserer Martin-Luther-Kirche regelmäßig treffen. Nicht vergessen wollen wir unsere schönen

Seniorengeburtstags - und Adventsfeiern und die kirchenmusikalische Arbeit zum Lobe Gottes im Chor der Martin-Luther-Kirche ,im Posaunenchor ,im Instrumentalkreis und in der Jugendband unserer Jungen Gemeinde. Unvergesslich schöne Konzerte und Jugendgottesdienste durften wir in den vergangenen 25 Jahren in unserer Martin-Luther-Kirche miterleben. 

Eine blühende Kinder-und Jugendarbeit erfüllt unsere Kirche immer wieder mit frohem Lachen ,Spiel und Spaß. So soll es auch sein ,liebe Gemeinde ,denn „Kirche“, das ist etwas lebendiges ,was „dem Herrn gehört“, daher kommt ja das Wort „kyriakä“= „Kirche“ und unser Herr Jesus Christus   hat an uns als fröhlichen Gotteskindern seine Freude.

Auch Martin Luther ,nach dem wir unsere Kirche zurecht genannt haben ,der das Wort Gottes wieder zur Geltung gebracht und das Evangelium ,die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen gepredigt hat ,würde heute seine Freude haben an dem lebendigen Gemeindeleben , das seit 25 Jahren in unserer Kirche herrscht.

Dafür danken wir unserem Herrn und Heiland Jesus Christus und unserem Vater im Himmel von ganzem Herzen an diesem festlichen Tag ,den wir heute miteinander feiern dürfen. –

Und dennoch ,liebe Festgemeinde: wir leben ja nicht in unserer Martin- Luther- Kirche wie auf einer einsamen Insel ,sondern wir leben mitten in dieser Welt und darauf kam es Martin

Luther ja auch an ,dass wir Christen in der Welt stehen ,aber unsere geistlichen Wurzeln ganz woanders haben ,nämlich in unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.

 

Wir brauchen solche geistlichen  Wurzeln unseres Glaubens, der fest in Jesus Christus und seinem heiligen Wort , verankert ist ,liebe Festgemeinde ,denn wir leben in einer Zeit ,in der sich alles um uns herum verändert .Die meisten Menschen fragen sich : worauf kann man sich denn überhaupt noch verlassen? Das war zur Zeit Martin Luthers nicht anders. Niemand wusste damals ,wie es weitergehen sollte. Die Bilderstürmer , unter ihnen  Professor Karlstadt ,Luthers Doktorvater  und die aufständischen Bauernhaufen unter ihrer Fahne mit dem „Buntschuh“, die raubend , plündernd und mordend durch das Land zogen  -wie  es uns in dem beeindruckend realistischen Reformationsspiel der Jungen Gemeinde veranschaulicht worden ist – , zerstörten alles ,was den Menschen damals noch heilig war.

Hassprediger wie Thomas Müntzer trieben die armen Bauern mit ihren radikalen Parolen in den sicheren Tod. Der „Heilige Krieg“ wurde ausgerufen ,so, wie er auch heute  von verantwortungs- und gewissenlosen Fanatikern  gefordert wird.

Tod ,Terror und Vernichtung waren damals und sind auch heute die grausamen Spuren jedes „Heiligen  Krieges“ . - So etwas wollte Martin Luther nicht. Für ihn war nur Gottes Wort entscheidend. Das lebendige Gotteswort sollte die Menschen auf friedliche Weise verändern ,nicht die Gewalt menschlicher Waffen . Darum mahnt Luther auch in der zweiten Strophe seines Liedes „Ein feste Burg“:

 

„Mit uns’rer Macht ist nichts getan ,wir sind gar bald verloren .“

 

Ohne Gott haben wir keinen Halt für unser Leben! - Und so fragen wir uns heute auch ,liebe Festgemeinde , wenn wir die Turbulenzen miterleben, die unsere Welt erschüttern so ,wie vor kurzem erst der unglaubliche weltweite Finanzskandal , die plötzliche Erhöhung  der  grundlegenden Lebenskosten ,die uns alle betreffen oder für manchen auch der drohende Verlust des Arbeitsplatzes:  Wo finden wir Halt in einer Welt ,in der nichts mehr sicher scheint ,in der sich alles in rasanter Geschwindigkeit verändert? Martin Luther hat damals einen Halt für die Menschen seiner Zeit entdeckt .Daran erinnern wir uns am Reformationsfest. 95 Thesen hatte er am 31.Oktober 1517 veröffentlicht. Sie gingen damals ,ermöglicht durch den kurz vorher von Johann Guttenberg entdeckten Buchdruck wie ein Lauffeuer durch Deutschland. Sie gaben den Menschen damals wieder Hoffnung. - Aber ,liebe Gemeinde, wir fragen uns zurecht: Wie steht es denn mit uns h e u t e?

Luthers Zeit und seine Reformation ist faszinierend und wer sich damit befasst ,wird viel Interessantes für sich selbst entdecken , wie es ja auch im Reformationsspiel unserer Jungen Gemeinde deutlich geworden ist , aber wir fragen uns doch zurecht: was bedeutet denn das alles für u n s hier und jetzt?-

Liebe Festgemeinde ,ich sage es ganz klar: Das Evangelium ,das Luther in der Bibel entdeckt und den Menschen seiner Zeit gepredigt hat , galt nicht nur damals ,sondern es gilt

für alle Menschen aller Zeiten. Es gilt auch für uns heute. Denn es ist ein ewiges Evangelium .Es ist die frohe Botschaft des Gottessohnes Jesus Christus .Es ist die Befreiung der Menschheit von allem religiösen Zwang und aller geistigen Knechtschaft.- „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, so heißt eine der berühmten Schriften Luthers des Jahres 1520,mit der er den Menschen seiner Zeit ganz neue Horizonte des Glaubens und  Denkens erschloss. Diese „Freiheit eines Christenmenschen“ soll auch für uns heute gelten ,liebe Festgemeinde.

Denn wir fühlen uns in unserem Leben ständig irgendwelchen Zwängen ausgesetzt .Ob im Beruf oder in unseren persönlichen Lebensumständen :immer will irgendjemand uns seinen Willen aufzwingen und wir müssen uns durch unser Wohlverhalten das Wohlwollen anderer erkaufen.

Viele haben daher für sich ganz persönlich die Entscheidung getroffen:

Weil ich in meinem Leben so vielen Zwängen unterliege ,darum will ich wenigstens in meinem Glauben und Denken frei sein.

Also binde ich mich an nichts und niemanden und glaube an gar nichts. Dann bin ich wirklich frei.

Das aber stimmt nicht ,liebe Festgemeinde .Das ist ein Fehlschluss. Denn wer an nichts und niemanden glaubt ,der wird zum Spielball des Schicksals .Man sagt zurecht :“Wo der Glaube zur Tür hinausgeht, da kommt der Aberglaube zum Fenster wieder herein“.

Viele ,die vorgeben ,an nichts zu glauben ,sind abergläubisch ,weil sie doch irgendetwas haben müssen ,woran sie sich halten können. Aber aller Aberglaube hilft nichts.

Helfen kann uns Menschen nur ein Glaube ,der uns nicht unter Druck setzt ,so wie es die Glaubensverpflichtungen vieler Religionen ,Sekten und Weltanschauungen tun ,sondern der für uns „eine Kraft Gottes ist, die selig macht alle ,die daran glauben und zwar ohne Ansehen der Person.-

Um einen solchen Glauben ging es Martin Luther damals und um einen solchen seligmachenden Glauben ,der uns als Kraft Gottes stärkt und tröstet ,der uns Halt gibt in unserem Leben , um diesen Glauben geht es uns auch heute.-

Wenn es nicht so wäre ,liebe Festgemeinde ,dann müssten wir uns zurecht fragen :warum taufen  wir denn unsere Kinder und warum schicken wir sie ,wenn sie 12 Jahre alt sind ,in den Kirchlichen Unterricht ,um auf die Konfirmation ,die „Befestigung im Glauben“ vorbereitet zu werden.?-

Wenn wir nicht  felsenfest davon überzeugt wären ,dass wir damit etwas Gutes für unsere Kinder und Jugendlichen tun ,dann könnten wir es auch sein lassen . –

Aber wir sind uns ganz sicher ,liebe Festgemeinde ,dass wir nicht nur richtig handeln ,sondern dass wir im Auftrag Gottes etwas tun , was für unsere Jugendlichen und  Kinder und für uns alle gut ist.-

Indem  sie getauft werden , wird uns allen von Gott selbst in seinem heiligen Sakrament zeichenhaft deutlich gemacht, dass sie hineingenommen sind in Gottes unendliche, umfassende und unerschöpfliche Gnade und Liebe.-

Und den Konfirmandinnen und Konfirmanden ,die ja auch alle einmal getauft worden sind ,macht Gott noch einmal ganz klar : auch d u bist und bleibst ein für allemal geborgen in meiner Liebe! Du darfst jeden Tag wieder neu aus meiner Liebe leben und ich gebe dir den schönen Auftrag ,diese Liebe an deine Mitmenschen weiterzugeben!-

Darum ,liebe Festgemeinde ,sprechen wir ja auch mit Martin Luther von der „Priesterschaft aller Gläubigen“ ,d.h. :alle getauften Christen sind von Gott dazu berufen ,im Glauben an Gottes Liebe in Jesus Christus diese Liebe an ihre Mitmenschen weiterzugeben.-

Das ist Sinn und Inhalt des Evangeliums ,dessen wir uns nicht schämen ,weil es eine Kraft Gottes ist ,die selig macht alle ,die daran glauben ohne Unterschied und ohne Ansehen der Person. Dieses Evangelium ,die frohe Botschaft ,hat Martin Luther in der Bibel wieder neu entdeckt und darum hören und lesen wir die Bibel als das Wort Gottes an uns immer wieder neu.-

 

Von diesem Evangelium werden wir getragen durch die Zeiten hindurch –und zwar auch durch Turbulenzen und umwälzende Veränderungen unseres Lebens. Denn das Evangelium von der Liebe Gottes in Jesus Christus überdauert alle Zeiten ,weil es für uns Menschen keine andere gültige Wahrheit als die Botschaft der Liebe

Gottes in seinem Sohn Jesus Christus gibt.

Und darum frage ich uns eindringlich ,liebe Festgemeinde :

Welche religiöse Botschaft soll uns denn hindurch tragen durch die  Wechselfälle unseres Lebens?-

Etwa die Botschaft der von Hass zerfressenen Selbstmordattentäter, die sich selbst ins Paradies zu bomben meinen ,indem sie sich und viele unschuldige Menschen mit in den Tod reißen?-

Oder eine religiöse Botschaft ,die von uns fordert ,unser Leben freudlos und düster zu verbringen ,ständig in Angst vor angeblich göttlichen Strafen?-

Oder eine Religion ,die uns dazu zwingt ,uns vor einem angeblich unnahbaren Gott in den Staub zu werfen ,einem Gott ,der nicht unser liebender Vater ist, sondern der von uns wie von Sklaven absoluten Gehorsam und Unterwürfigkeit fordert , bevor er dazu bereit ist , uns in Gnaden anzunehmen ? Das kann es doch wirklich nicht sein ,liebe Gemeinde! Das sind doch keine Botschaften für das Leben! Die einzig tragfähige Botschaft für das Leben hat uns doch Gottes Sohn Jesus Christus in seinem Evangelium ,in der frohen Botschaft, die für a l l e Menschen gilt ,geschenkt und diese frohe Botschaft ist und bleibt ein für allemal und für alle Zeiten nichts anderes als das Evangelium der göttlichen Liebe ,welches  Gott als unseren liebevollen himmlischen Vater versteht .-

Dieses Evangeliums schämen wir uns nicht ,denn es ist eine Kraft Gottes ,die selig macht alle ,die daran glauben , ohne Ansehen der Person.-

Warum aber macht es denn nur diejenigen selig , die daran glauben ,liebe Festgemeinde?-

Nun ,auch das ist doch glasklar: Denn nur dann ,wenn ich daran glaube , dass die Liebe ,die Gott mir in seinem Sohn Jesus Christus schenkt, das Wichtigste ist in meinem Leben ,nur dann kann ich durch diesen Glauben auch „selig“, d.h. glücklich werden.-

Wenn ich aber nicht an die Liebe glaube ,dann hilft es mir auch nichts. Wenn ich immer noch meine ,vor Gott Angst haben zu müssen so, wie viele Menschen zur Zeit Luthers und manche auch heutzutage, die sich Gott als zornigen Richter vorstellen und noch nicht gelernt haben, dass Gott ,der Vater unseres Herrn Jesus Christus ,unser liebevoller himmlischer Vater ist und wir seine geliebten Kinder , dann bleibe ich in meiner Angst gefesselt und kann nicht frei werden zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.-

Vergleichen wir das einmal mit einem Beispiel aus unserem menschlichen Leben: Wenn ich einen Menschen liebe ,aber der Meinung bin, dass er mich nicht liebt ,dann bin ich traurig.-

Erst dann ,wenn ich daran glaube ,dass er mich auch liebt ,dann bin ich richtig froh und glücklich.-

So ist das auch mit unserem christlichen Glauben ,liebe Gemeinde: Solange ich nicht glauben kann ,dass Gott mich liebt trotz meiner menschlichen Schwächen und Fehler ,solange kann ich nicht froh werden und es fällt mir schwer ,meine Mitmenschen zu lieben. In d e m Moment aber ,in dem ich beginne ,daran zu glauben, dass Gott mich liebhat ,auch wenn ich selbst nicht perfekt bin, dass Gott mich sogar m i t allen Fehlern und Schwächen nicht fallen lässt ,sondern weiter liebhat ,wie er es mir ja in seinem Sohn Jesus Christus immer wieder neu zeigt und beweist ,in dem Moment kann ich aus Gottes Liebe leben und versuche wie von selbst, seine Liebe an meine Mitmenschen weiterzugeben.-

Genau d a s ist das Evangelium ,liebe Festgemeinde : die frohe Botschaft von der unverdienten Liebe und Gnade Gottes zu uns sündigen Menschen ,die er uns in seinem Sohn Jesus Christus schenkt.-

Genau d a s ist es auch ,was Martin Luther zur Zeit der Reformation wiederentdeckt und den Menschen seiner Zeit wie auch uns heute weitergegeben hat.-

Diese frohe Botschaft ,das Evangelium ,ist zeitlos und ewig gültig. Sie überzeugt mich immer wieder neu. Wir brauchen uns ihrer wahrhaftig nicht zu schämen ,sondern dürfen aus dieser Kraft Gottes voller Dankbarkeit und Freude leben und wir dürfen uns am heutigen Tag ganz besonders darüber freuen, dass wir alle ,unsere Kinder ,unser Jugendlichen ,die alten Menschen und wir alle zusammen ein für allemal in Gottes unendlicher Liebe geborgen sind.

Amen.

EG 362 ,1-4