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Liebe Festgemeinde!
25 Jahre
Martin—Luther-Kirche –ein Vierteljahrhundert! In dieser langen Zeit
wurden junge Menschen in unserer Kirche konfirmiert , Kinder getauft
,Brautpaare getraut, Trostgottesdienste für unsere heimgegangen
Gemeindeglieder ,Predigtgottesdienste und Abendmahlsgottesdienste
gehalten und fröhliche Gemeindefeste gefeiert.
Dazu kamen Sondergottesdienste ,Begegnungen, Vorträge
und Veranstaltungen – man kann wirklich sagen: unsere
Martin-Luther-Kirche ist ein Gotteshaus ,das lebt!
Dazu gehören aber auch der Jugend- und Kinderbereich,
die Ballett- und Gymnastikarbeit ,die Mal-,Zeichen und alle anderen
Kurse und die Kreuzbund- und AA-Gruppen ,die sich in unserer
Martin-Luther-Kirche regelmäßig treffen. Nicht vergessen wollen wir
unsere schönen
Seniorengeburtstags - und Adventsfeiern und die
kirchenmusikalische Arbeit zum Lobe Gottes im Chor der
Martin-Luther-Kirche ,im Posaunenchor ,im Instrumentalkreis und in der
Jugendband unserer Jungen Gemeinde. Unvergesslich schöne Konzerte und
Jugendgottesdienste durften wir in den vergangenen 25 Jahren in unserer
Martin-Luther-Kirche miterleben.
Eine blühende Kinder-und
Jugendarbeit erfüllt unsere Kirche immer wieder mit frohem Lachen ,Spiel
und Spaß. So soll es auch sein ,liebe Gemeinde ,denn „Kirche“, das ist
etwas lebendiges ,was „dem Herrn gehört“, daher kommt ja das Wort „kyriakä“=
„Kirche“ und unser Herr Jesus Christus hat an uns als fröhlichen
Gotteskindern seine Freude.
Auch Martin Luther ,nach dem wir unsere Kirche
zurecht genannt haben ,der das Wort Gottes wieder zur Geltung gebracht
und das Evangelium ,die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu allen
Menschen gepredigt hat ,würde heute seine Freude haben an dem lebendigen
Gemeindeleben , das seit 25 Jahren in unserer Kirche herrscht.
Dafür danken wir unserem Herrn und Heiland Jesus
Christus und unserem Vater im Himmel von ganzem Herzen an diesem
festlichen Tag ,den wir heute miteinander feiern dürfen. –
Und dennoch ,liebe Festgemeinde: wir leben ja nicht
in unserer Martin- Luther- Kirche wie auf einer einsamen Insel ,sondern
wir leben mitten in dieser Welt und darauf kam es Martin
Luther ja auch an ,dass wir Christen in der Welt
stehen ,aber unsere geistlichen Wurzeln ganz woanders haben ,nämlich in
unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.
Wir brauchen solche
geistlichen Wurzeln unseres Glaubens, der fest in Jesus Christus und
seinem heiligen Wort , verankert ist ,liebe Festgemeinde ,denn wir leben
in einer Zeit ,in der sich alles um uns herum
verändert .Die meisten Menschen fragen sich : worauf kann man
sich denn überhaupt noch verlassen? Das
war zur Zeit Martin Luthers nicht anders. Niemand wusste damals ,wie es
weitergehen sollte. Die Bilderstürmer , unter ihnen Professor
Karlstadt ,Luthers Doktorvater und die aufständischen Bauernhaufen
unter ihrer Fahne mit dem „Buntschuh“, die raubend , plündernd und
mordend durch das Land zogen -wie es uns in dem beeindruckend
realistischen Reformationsspiel der Jungen Gemeinde veranschaulicht
worden ist – , zerstörten alles ,was den Menschen damals noch heilig
war.
Hassprediger wie
Thomas Müntzer trieben die armen Bauern mit ihren radikalen Parolen in
den sicheren Tod. Der „Heilige Krieg“ wurde ausgerufen ,so, wie er auch
heute von verantwortungs- und gewissenlosen Fanatikern gefordert
wird.
Tod ,Terror und
Vernichtung waren damals und sind auch heute die grausamen Spuren jedes
„Heiligen Krieges“ . - So etwas wollte Martin Luther nicht. Für ihn war
nur Gottes Wort entscheidend. Das lebendige Gotteswort sollte die
Menschen auf friedliche Weise verändern ,nicht die Gewalt menschlicher
Waffen . Darum mahnt Luther auch in der zweiten Strophe seines Liedes
„Ein feste Burg“:
„Mit uns’rer Macht ist nichts getan ,wir sind gar
bald verloren .“
Ohne
Gott haben wir keinen Halt für unser Leben! - Und so fragen wir uns
heute auch ,liebe Festgemeinde , wenn wir die Turbulenzen miterleben,
die unsere Welt erschüttern so ,wie vor kurzem erst der unglaubliche
weltweite Finanzskandal , die plötzliche Erhöhung der
grundlegenden Lebenskosten ,die uns alle betreffen oder für manchen auch
der drohende Verlust des Arbeitsplatzes: Wo finden wir Halt
in einer Welt ,in der nichts mehr sicher scheint ,in der sich alles in
rasanter Geschwindigkeit verändert?
Martin Luther hat damals einen Halt für die Menschen seiner Zeit
entdeckt .Daran erinnern wir uns am Reformationsfest. 95 Thesen hatte er
am 31.Oktober 1517 veröffentlicht. Sie gingen damals ,ermöglicht durch
den kurz vorher von Johann Guttenberg entdeckten Buchdruck wie ein
Lauffeuer durch Deutschland. Sie gaben den Menschen damals wieder
Hoffnung. - Aber ,liebe Gemeinde, wir fragen uns zurecht: Wie
steht es denn mit uns h e u t e?
Luthers Zeit und
seine Reformation ist faszinierend und wer sich damit befasst ,wird viel
Interessantes für sich selbst entdecken , wie es ja auch im
Reformationsspiel unserer Jungen Gemeinde deutlich geworden ist , aber
wir fragen uns doch zurecht: was bedeutet denn das alles für u n
s hier und jetzt?-
Liebe Festgemeinde
,ich sage es ganz klar: Das
Evangelium ,das Luther in der Bibel entdeckt und den Menschen seiner
Zeit gepredigt hat , galt nicht nur damals ,sondern es gilt
für alle Menschen
aller Zeiten. Es gilt auch für uns heute. Denn es ist ein ewiges
Evangelium .Es ist die frohe Botschaft des Gottessohnes Jesus Christus
.Es ist die Befreiung der Menschheit von
allem religiösen Zwang und aller
geistigen Knechtschaft.- „Von der Freiheit eines Christenmenschen“,
so heißt eine der berühmten Schriften Luthers des Jahres 1520,mit der er
den Menschen seiner Zeit ganz neue Horizonte des Glaubens und Denkens
erschloss. Diese „Freiheit eines Christenmenschen“ soll auch für uns
heute gelten ,liebe Festgemeinde.
Denn wir fühlen uns
in unserem Leben ständig irgendwelchen Zwängen ausgesetzt .Ob im Beruf
oder in unseren persönlichen Lebensumständen :immer will irgendjemand
uns seinen Willen aufzwingen und wir müssen uns durch unser
Wohlverhalten das Wohlwollen anderer erkaufen.
Viele haben daher für
sich ganz persönlich die Entscheidung getroffen:
Weil ich in meinem Leben so vielen Zwängen unterliege
,darum will ich wenigstens in meinem Glauben und Denken frei sein.
Also binde ich mich an nichts und niemanden und
glaube an gar nichts. Dann bin ich wirklich frei.
Das aber stimmt nicht
,liebe Festgemeinde .Das ist ein Fehlschluss. Denn wer an nichts und
niemanden glaubt ,der wird zum Spielball des Schicksals .Man sagt
zurecht :“Wo der Glaube zur Tür hinausgeht, da kommt der Aberglaube zum
Fenster wieder herein“.
Viele ,die vorgeben
,an nichts zu glauben ,sind abergläubisch ,weil sie doch irgendetwas
haben müssen ,woran sie sich halten können. Aber aller Aberglaube
hilft nichts.
Helfen kann uns
Menschen nur ein Glaube ,der uns nicht unter Druck setzt ,so wie es die
Glaubensverpflichtungen vieler Religionen ,Sekten und Weltanschauungen
tun ,sondern der für uns „eine Kraft Gottes ist, die selig
macht alle ,die daran glauben “und
zwar ohne Ansehen der Person.-
Um einen solchen
Glauben ging es Martin Luther damals und um einen solchen seligmachenden
Glauben ,der uns als Kraft Gottes stärkt und tröstet ,der uns Halt gibt
in unserem Leben , um diesen Glauben geht es uns auch heute.-
Wenn es nicht
so wäre ,liebe Festgemeinde ,dann müssten wir uns zurecht fragen
:warum taufen wir denn unsere Kinder und warum schicken wir sie ,wenn
sie 12 Jahre alt sind ,in den Kirchlichen Unterricht ,um auf die
Konfirmation ,die „Befestigung im Glauben“ vorbereitet zu werden.?-
Wenn wir nicht felsenfest
davon überzeugt wären ,dass wir damit etwas Gutes für unsere Kinder und
Jugendlichen tun ,dann könnten
wir es auch sein lassen . –
Aber wir sind uns
ganz sicher ,liebe Festgemeinde
,dass wir nicht nur richtig handeln
,sondern dass wir im Auftrag
Gottes etwas tun , was für unsere
Jugendlichen und Kinder und für uns alle gut ist.-
Indem sie getauft
werden , wird uns allen
von Gott selbst in seinem heiligen Sakrament zeichenhaft deutlich
gemacht, dass sie hineingenommen sind in
Gottes unendliche, umfassende und unerschöpfliche Gnade und Liebe.-
Und den
Konfirmandinnen und Konfirmanden ,die ja auch alle einmal getauft worden
sind ,macht Gott noch einmal ganz klar : auch d u bist und
bleibst ein für allemal geborgen in meiner Liebe! Du darfst jeden Tag
wieder neu aus meiner Liebe leben und ich gebe dir den schönen Auftrag
,diese Liebe an deine Mitmenschen weiterzugeben!-
Darum ,liebe
Festgemeinde ,sprechen wir ja auch mit Martin Luther von der
„Priesterschaft aller Gläubigen“ ,d.h. :alle getauften Christen
sind von Gott dazu berufen ,im Glauben an Gottes Liebe in Jesus Christus
diese Liebe an ihre Mitmenschen weiterzugeben.-
Das ist Sinn und
Inhalt des Evangeliums ,dessen wir uns nicht schämen ,weil es eine Kraft
Gottes ist ,die selig macht alle ,die daran glauben ohne Unterschied und
ohne Ansehen der Person. Dieses Evangelium
,die frohe Botschaft ,hat Martin Luther
in der Bibel wieder neu entdeckt und darum hören und lesen wir die Bibel
als das Wort Gottes an uns immer wieder neu.-
Von diesem Evangelium
werden wir getragen durch die Zeiten hindurch –und zwar auch durch
Turbulenzen und umwälzende Veränderungen unseres Lebens. Denn
das Evangelium von der Liebe Gottes in Jesus Christus überdauert alle
Zeiten ,weil es für uns Menschen keine andere gültige Wahrheit als die
Botschaft der Liebe
Gottes in seinem Sohn Jesus Christus gibt.
Und darum frage ich
uns eindringlich ,liebe Festgemeinde :
Welche religiöse Botschaft soll uns denn hindurch
tragen durch die Wechselfälle unseres Lebens?-
Etwa die Botschaft
der von Hass zerfressenen Selbstmordattentäter, die sich selbst ins
Paradies zu bomben meinen ,indem sie sich und viele unschuldige Menschen
mit in den Tod reißen?-
Oder eine religiöse
Botschaft ,die von uns fordert ,unser Leben freudlos und düster zu
verbringen ,ständig in Angst vor angeblich göttlichen Strafen?-
Oder eine Religion
,die uns dazu zwingt ,uns vor einem angeblich unnahbaren Gott in den
Staub zu werfen ,einem Gott ,der nicht unser liebender Vater ist,
sondern der von uns wie von Sklaven absoluten Gehorsam und
Unterwürfigkeit fordert , bevor er dazu bereit ist , uns in Gnaden
anzunehmen ? Das kann es doch wirklich nicht sein ,liebe
Gemeinde! Das sind doch keine Botschaften für das Leben! Die einzig
tragfähige Botschaft für das Leben hat
uns doch Gottes Sohn Jesus Christus in seinem Evangelium ,in der frohen
Botschaft, die für a l l e Menschen gilt ,geschenkt und diese frohe
Botschaft ist und bleibt ein für allemal und für alle Zeiten nichts
anderes als das Evangelium der göttlichen Liebe ,welches Gott als
unseren liebevollen himmlischen Vater versteht .-
Dieses Evangeliums schämen wir uns nicht ,denn es
ist eine Kraft Gottes ,die selig macht alle ,die daran glauben , ohne
Ansehen der Person.-
Warum aber macht es denn nur diejenigen selig , die
daran glauben ,liebe Festgemeinde?-
Nun ,auch das ist
doch glasklar: Denn nur dann ,wenn ich daran glaube ,
dass die Liebe ,die Gott mir in seinem Sohn Jesus Christus schenkt, das
Wichtigste ist in meinem Leben ,nur dann
kann ich durch diesen Glauben auch „selig“, d.h. glücklich werden.-
Wenn ich aber
nicht an die Liebe glaube ,dann hilft es mir auch nichts. Wenn ich immer noch
meine ,vor Gott Angst haben zu müssen so,
wie viele Menschen zur Zeit Luthers und manche auch heutzutage, die sich
Gott als zornigen Richter vorstellen und noch nicht gelernt haben, dass
Gott ,der Vater unseres Herrn Jesus Christus ,unser liebevoller
himmlischer Vater ist und wir seine geliebten Kinder , dann bleibe ich
in meiner Angst gefesselt und kann nicht frei werden zur herrlichen
Freiheit der Kinder Gottes.-
Vergleichen wir das
einmal mit einem Beispiel aus unserem menschlichen Leben: Wenn ich einen
Menschen liebe ,aber der Meinung bin, dass er mich nicht liebt ,dann bin
ich traurig.-
Erst dann ,wenn ich
daran glaube ,dass er mich
auch liebt ,dann bin ich richtig froh
und glücklich.-
So ist das auch mit
unserem christlichen Glauben ,liebe Gemeinde: Solange ich nicht glauben
kann ,dass Gott mich liebt trotz
meiner menschlichen Schwächen und Fehler ,solange kann ich nicht froh
werden und es fällt mir schwer ,meine Mitmenschen zu lieben. In d e m
Moment aber ,in dem ich beginne ,daran zu glauben, dass Gott mich
liebhat ,auch wenn ich selbst nicht perfekt bin, dass Gott mich sogar m
i t allen Fehlern und Schwächen nicht fallen lässt ,sondern weiter
liebhat ,wie er es mir ja in seinem Sohn Jesus Christus immer wieder neu
zeigt und beweist ,in dem Moment
kann ich aus Gottes Liebe leben und versuche wie von selbst, seine Liebe
an meine Mitmenschen weiterzugeben.-
Genau d a s ist das
Evangelium ,liebe Festgemeinde : die frohe Botschaft von der
unverdienten Liebe und Gnade Gottes zu uns sündigen Menschen ,die er uns
in seinem Sohn Jesus Christus schenkt.-
Genau d a s ist es
auch ,was Martin Luther zur Zeit der Reformation wiederentdeckt und den
Menschen seiner Zeit wie auch uns heute
weitergegeben hat.-
Diese frohe Botschaft
,das Evangelium ,ist zeitlos und ewig gültig. Sie überzeugt mich immer
wieder neu. Wir brauchen uns ihrer wahrhaftig nicht zu schämen ,sondern
dürfen aus dieser Kraft Gottes voller Dankbarkeit und Freude leben und
wir dürfen uns am heutigen Tag ganz besonders darüber freuen, dass wir
alle ,unsere Kinder ,unser Jugendlichen ,die alten Menschen und wir alle
zusammen ein für allemal in Gottes unendlicher Liebe geborgen sind.
Amen.
EG 362 ,1-4 |