Krippengeschichten

Auch in der Martin-Luther-Kirche steht eine Krippe, so wie in vielen Wohnungen in Rheindahlen. Doch kennen Sie die Geschichte der Krippe?

Klar die biblische Geschichte vom Evangelisten Lukas kennen Sie: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt …“

Und wahrscheinlich ist Ihnen auch die Geschichte vom Evangelisten Matthäus bekannt: „Jesus wurde in Bethlehem geboren, einer Stadt in Judäa. Herodes war damals König. Da kamen einige Sterndeuter aus einem Land im Osten nach Jerusalem und erkundigten sich: ,Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind aus dem Osten hierher gekommen, um ihm die Ehre zu erweisen …“ (Lesen Sie weiter unten weiter…)

Kennen Sie auch diese historische Geschichte der Krippe? „Kirchenkrippen dienten zu Beginn in ihrer Grundidee dazu, dem Volk die Weihnachtsbotschaft anschaulich zu machen, da die meisten Menschen nicht lesen und schreiben konnten. Sie bedient sich der christlichen Bildsprache, wie sie über Jahrhunderte immer neu formuliert wurde.

Der Krippenbrauch entwickelte sich aus vorangegangenen Darstellungsmöglichkeiten der Christgeburt: das gemalte Bildwerk, das Relief und sonstige Bildhauerei und -schnitzerei (Altarschreine) und die mittelalterlichen Mysterienspiele. Das Besondere der Weihnachtskrippe ist eine kurzfristige, an das Weihnachtsfest gebundene Aufstellung vollplastischer und frei aufstellbarer Figuren, die von Weihnacht zu Weihnacht variieren kann. Zur Verbreitung der Kirchenkrippe in Deutschland trugen im Wesentlichen die Jesuiten bei. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind erste Kirchenkrippen chronistisch belegt (z. B. Kölner Jesuitenkonvent 1559, Trier 1565, Mainzer Stadtkirche 1578, Fulda 1583, Augsburger Dom – heute noch aufgestellte Figuren zwischen 1570 und 1590 geschaffen).

Franz von Assisi wird mit seiner Weihnachtspredigt 1223 im Wald von Greccio gerne als Begründer der Krippe gesehen. Er wollte eine symbolische Darstellung des Christuskindes in kirchlicher Tradition inszenieren. Die allerersten bildlichen Darstellungen der Christgeburt zeigen schon Ochs und Esel, zum Beispiel ein römisches Sargrelief aus dem 3. Jahrhundert. Diese sind nicht aus der biblischen Weihnachtsgeschichte übernommen, sondern Mahnfiguren des Propheten Jesaja (Jes1,3) und als solche neben den bildlichen Darstellungen auch bei den altkirchlichen Theologen Origines, Augustin und Ambrosius der Geburt Jesu zugeordnet. Für den Reformator Martin Luther (1483 – 1546) stand das Wort im Vordergrund, aber er war kein Bilderstürmer. Das Bilderverbot als zweites der 10 Gebote war für Luther mit Christus aufgehoben. Er schätzte Bilder als katechetische Verwendung, ließ Bibeln illustrieren und empfahl auch die Ausmalung von Kirchen mit „andächtigen Bildern und Gemälden“. Was Luther verwarf, war die Verehrung der Bilder, Hochschätzung von Gnadenbildern, denen wundersame Kräfte zugesprochen wurden und der Missbrauch mit Bildern. Luther sorgte dafür, dass dem Christuskind wieder die weihnachtliche Aufmerksamkeit zukam. (Auf ihn ist das Christkind als Gabenbringer zurückzuführen.)

Aus seiner Erfahrung im Kloster sagte er, man habe das Christuskind kaum gekannt, kein Mönch habe sich seiner gefreut, man habe viel mehr der Maria vertraut. Das Weihnachtsevangelium be- darf nach Luther keiner Auslegung, weil es klar genug sei. Wohlbetrachtet solle es sein und tief zu Herzen genommen! Er formulierte berührend: „Darum, willst du auch erleuchtet und warm werden, so dass dein Herz entbrennt und andächtig und fröhlich werde, so gehe hin zur Krippe, wo du stille seist und das Bild dir tief ins Herz fassest. Dann wirst du finden Wunder über Wunder.“ Den Brauch, Krippen aufzustellen, hatte Luther nicht mehr erreicht.“ Text von Annette Hiemenz, Hilden

Und wenn Sie möchten, dann schauen Sie sich mal unsere Krippe wieder im Original an, z. B. an den Weihnachtstagen, sie ist auch von außen gut sichtbar.

Bis dann und ein gesegnetes Fest,
Ihre Pfarrerin Christiane Fiebig-Mertin

Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzube- ten.“

Als das der König Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

Und sie sagten ihm: „In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten: „Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Judäa; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: „Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.“

Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.