Online Gottesdienst für August

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Liebe Gemeinde!

Am 16. August ist Israelsonntag. Wenn ich „Israel“ höre, steigen verschiedene Assoziationen auf:
Ich denke an die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern, an die Auseinandersetzung um Land, auf dem beide Seiten einigermaßen sicher leben möchten. Unlösbar scheint der Konflikt zu sein. Ich denke an die belastete Geschichte, die Deutschland und Israel miteinander teilen. Fast 70 Jahre sind seitdem vergangen, aber es bleibt die Geschichte der Schuld, aus der eine Verantwortung für uns heute hier in Deutschland Lebende erwächst.
Israel, Gottes auserwähltes Volk, spielt im altem wie im neuem Testament die entscheidende Rolle: Es ist Gottes auserwähltes Volk. Der Jude Jesus aus Nazareth spricht seinem Volk gegenüber, aber auch allen anderen, die ihm zu hören von Gott dem Vater. Jesus, der Zimmermann, wird dann verurteilt und stirbt am Kreuz. Und all diejenigen, die nach Ostern an den Auferstanden Christus glauben, werden fortan Christen genannt. Knappe 2 Jahrzehnte nach Jesu Auferstehung kommt auch der Jude Saulus zum christlichen Glauben, den er bisher kräftig verfolgt hat. Dann als Paulus stellt er sich der Frage, ob nicht alle Juden nun zum christlichen Glauben bekehrt werden sollten!
Diese Frage ist knapp 2.000 Jahren. Paulus, der zunächst ein glühender Verfechter seines jüdischen Glaubens war, hatte sich zu Christus hin bekehrt und taufen lassen.
Paulus wundert sich, dass seine jüdischen Glaubensgeschwister es ihm nicht nachtun und Christen werden. Es macht ihm zu schaffen, dass es ihm nicht gelingt, sie für den neuen Glauben zu gewinnen.
Er fragt sich:

  • Warum existieren Juden und Christen nebeneinander?
  • Warum bekehren sich nicht alle Juden zum Christentum?

Paulus ringt mit diesen Fragen im Brief an die Gemeinde in Rom. Seine Antwort schreibt er in einem Brief an die Gemeinde zu Rom:


Ich will euch dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht.

(Jesaja 59,20; Jeremia 31,33):

Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde. Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

(Römer 11,25-32)

Liebe Gemeinde!

Gott handelt an beiden, an Juden und Christen.
In Bezug auf Israel gilt, dass Gott nichts zurücknimmt von dem, was er versprochen hat. Er hat Israel die Thora gegeben, er hat mit seinem Volk einen Bund geschlossen, er hat ihm verheißen, den Erlöser zu senden. Israel bleibt erwählt,….
obwohl es das Evangelium von Jesus Christus nicht annimmt.
Ganz Israel wird gerettet werden – nicht nur diejenigen, die sich zu Christus bekehren. Gott hat einen eigenen Weg mit den Juden, genauso wie er einen eigenen Weg mit den Christen hat. Das ist sein Geheimnis. Beide bleiben angewiesen auf Gottes Barmherzigkeit.
„Haltet euch nicht selbst für klug!“, schreibt Paulus den Christen ins Stammbuch. „Glaubt nicht, dass ihr den einzig richtigen Weg zu Gott gefunden habt. Gott ist größer als ihr denkt.
Er lässt zu, dass es zwei verschiedene Wege gibt, um zu ihm zu kommen, zwei verschiedene Wege zum Reich Gottes, die nebeneinander bestehen, Judentum und Christentum.“

Und wir glauben, wie die Juden an einen Gott. Alles, was Jesus über Gott, seinen Vater sagt, findet sich auch im jüdischen Glauben und in den jüdischen Schriften. Jesus akzentuiert neu, greift andere Aussagen über Gott auf, spitzt zu, aber er bleibt dabei im jüdischen Glauben beheimatet. Nur bei der Frage, ob Jesus aus Nazareth auch wirklich der Christus, der Messias, der Erlöser ist, da scheiden sich die Geister; hier werden sich Christen und Juden nicht einig.„Nein, Jesus kann nicht der Messias sein, auf den wir warten“, sagen die Juden. „Er hat ja das Reich Gottes nicht aufgerichtet, denn in den Verheißungen heißt es:

  • Ein Säugling spielt gefahrlos mit der Giftschlange,
  • Wolf und Lamm umarmen sich liebevoll umarmen
  • Schwerter werden zu Pflugscharen
  • alle werden satt werden und
  • niemand stirbt, bevor er die Hundert erreicht hat.

„Doch“, erwidern wir Christen, „in Jesus Christus und in seinem Tun ist das Reich Gottes schon aufgeschienen und Menschen haben erfahren, dass Blinde sehen und Lahme gehen. Wenn er einst wiederkommt, wird er die ganze Welt verändern, so dass alle es erleben.“
Und bis dahin können wir besser direkt an Gott wenden und ihm klagen, was uns bedrückt.
Die Begegnung mit dem jüdischen Glauben kann uns sensibel machen für das, was noch nicht erfüllt ist. Sie kann uns daran hindern, vorschnell zu behaupten: Alles ist gut, weil Gott für uns sorgt und mit uns geht.
Jetzt erkennen wir stückweise Gottes Herrlichkeit und freuen uns über das Schöne und Gelungene, das Gott uns schenkt. Aber wir sollten die Bruchstücke nicht für das Ganze halten und uns nicht einrichten in unserer kleinen, einigermaßen heilen Welt. Die Juden mit ihrer Überzeugung, dass der Messias erst kommen muss, um die Welt zu einem guten Ort zu machen, an dem alle in Frieden leben können, fordern uns auf, genau hinzusehen. Lasst uns zusammen mit unseren jüdischen Geschwistern darauf warten, dass Gott kommt bzw. wiederkommt. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet:

Barmherziger Gott, wir sind reich gesegnet mit deinem Erbe. Wir nehmen es an. Auch wenn dein Erbe schwer zu leben ist. Darum wenden wir uns zu dir.
Wir bitten dich, dass du nicht aufhörst uns zu lieben, auch wenn wir uns das Leben immer wieder gegenseitig schwer machen und nicht deinem Ebenbild gleichen.
Wir bitten dich für uns und unsere jüdischen Glaubensgeschwister, dass wir nicht aufhören, aufeinander zuzugehen – vereint im Lob, das dich als Ursprung und Ziel unseres Lebens preist.
Wir bitten dich um Respekt für Menschen, die anders glauben, leben oder lieben als die Mehrheit, damit wir uns an den vielen bunten Blüten in deinem Volk freuen.
Wir bitten dich für alle, deren Lebtage ans Ende kommen. Mache ihre Herzen getrost, dass der Tod sie nicht von dir scheiden kann.
Wir bitten dich für alle Traurigen, dass sie sich dem Tag entgegen sehnen, an dem die Kraft zum Leben wieder stärker wird als die Kraft des Todes.
Wir bitten dich für alle, denen ihr Leben glückt, dass sie andere mit ihrer Freude anstecken.
Barmherziger Gott, wir sind reich gesegnet mit deinem Erbe. Wir nehmen es an. Mach uns leicht und liebenswert, wenn wir es in deinem Namen austeilen.

Segen: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.