Online Gottesdienst für „Exaudi“ am 24. Mai

Herzlich willkommen zum Gottesdienst. Der Sonntag trägt den Namen Exaudi; der lateinische Ausdruck bezieht sich auf einen Ruf aus dem 27. Psalm: „Herr, höre meine Stimme!“ In der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist es die Bitte um den Heiligen Geist, die hier laut wird.

Gebet: Du kennst uns besser, Gott, als wir uns selbst kennen. Du weißt, wie gefährdet unser Glaube ist, wie unbeständig unsere Liebe, wie zaghaft unsere Hoffnung. Und dennoch sprichst du zu uns: Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. Ach, Herr, du bist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? Du schenkst uns diese Zeit, gütiger Gott, damit wir unsere Last ablegen können und Frieden finden bei dir. So komme nun in Herz und Sinn, lass uns neu aufleben aus deinem Geist. Darum bitten wir dich, Herr, der du in der Einheit mit dem Vater lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Lesungen: Dem Apostel Paulus liegt das Ergehen seiner Gemeinden sehr am Herzen. Im 3. Kapitel seines Briefes an die christliche Gemeinde in Ephesus schreibt er (Epheser 3,14-21): 

14 Darum knie ich nieder vor Gott, dem Vater, und bete ihn an,  15 ihn, dem alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde ihr Leben verdanken und den sie als Vater zum Vorbild haben.  16 Ich bitte Gott, euch aus seinem unerschöpflichen Reichtum Kraft zu schenken, damit ihr durch seinen Geist innerlich stark werdet.  17 Mein Gebet ist, dass Christus durch den Glauben in euch lebt. In seiner Liebe sollt ihr fest verwurzelt sein; auf sie sollt ihr bauen.  18 Denn nur so könnt ihr mit allen anderen Christen das ganze Ausmaß seiner Liebe erfahren.  19 Ja, ich bete, dass ihr diese Liebe immer tiefer versteht, die wir doch mit unserem Verstand niemals ganz fassen können. Dann werdet ihr auch immer mehr mit dem ganzen Reichtum des Lebens erfüllt sein, der bei Gott zu finden ist.  20 Gott aber kann viel mehr tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns auch nur vorstellen können. So groß ist seine Kraft, die in uns wirkt. 21 Deshalb wollen wir ihn mit der ganzen Gemeinde durch Jesus Christus ewig und für alle Zeiten loben und preisen. Amen.

In den Abschiedsreden kurz vor seinem Tod wendet sich Jesus mit ermutigenden Worten an seine Jünger. Im 16. Kapitel des Johannesevangeliums sagt er: 

Evangelium: Johannes 16,5-15

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?  6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;  9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht;  11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.  12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.  13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen. Halleluja. Gott ist König über alle Völker, Gott sitzt auf seinem hl. Thron. Halleluja. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja

Glaubensbekenntnis von Erika Görke (1996): Im Ev. Gesangbuch Rheinland, Nr. 816:

Wir glauben an Gott, den Ursprung von allem, was geschaffen ist, die Quelle des Lebens, aus der alles fließt, das Ziel der Schöpfung, die auf Erlösung hofft.
Wir glauben an Jesus Christus, den Gesandten der Liebe Gottes, von Maria geboren; ein Mensch, der Kinder segnete, Frauen und Männer bewegte, Leben heilte und Grenzen überwand; er wurde gekreuzigt; in seinem Tod hat Gott die Macht des Bösen gebrochen und uns zur Liebe befreit; er ist in unserer Mitte und ruft uns auf seinen Weg.
Wir glauben an Gottes Geist, Weisheit von Gott, die wirkt, wo sie will; sie gibt Kraft zur Versöhnung und schenkt Hoffnung, die auch der Tod nicht zerstört; in der Gemeinschaft der Glaubenden werden wir zu Schwestern und Brüdern, die nach Gerechtigkeit suchen.
Wir erwarten Gottes Reich.

Predigt zu Jeremia 31,31-34  Thema: Ein neuer Geist

Liebe Gemeinde!

Mal sehen,ob es möglich ist! Evt, wenn nichts dazwischen kommt! Wir können es mal ins Auge fassen. Kennen Sie diese Worte? Planen ist gerade schwierig, es könnten sich die Reproduktionszahlen wieder erhöhen und all das, was man sich vorgenommen hat, wird wieder gestrichen.…. Die alte Tradition, man schaut in den Kalender, sucht einen freien Termin und plant dann dementsprechend: vorbei. Eine schwierige Zeit, gerade für Menschen wie mich, die gerne planen, organisieren und durchführen. Eine schwierige Zeit für Familien, die vieles umstellen mussten, da der vertraute Trott auf einmal vorbei war. Eine schwierige Zeit für junge und alte Menschen, Berufstätige, Kurzarbeiter, Menschen im Homeoffice, Arbeitslose, für gesunde und kranke Menschen. Eine schwierige Zeit für alle – weltweit.
Unser heutiger Text ist auch in einer schwierigen Zeit geschrieben, zu einer Zeit als das Volk Israel deportiert war. Das Volk Israel hat Gott immer wieder verlassen und zu Götzen gebetet. Manche von uns beten heutzutage das Geld an, den Fußball, die Schönheit, den Erfolg. Die Götter damals hießen anders, aber Gott ließ es damals zu, dass sein Volk in Gefangenschaft geriet und deportiert wurde. Angesichts dieser hoffnungslosen Lage stellte man sich einerseits die Frage, welchen Weg Gott mit Israel vorhatte – und man fragte sich: Gibt es einen Weg zurück? Einen Weg zurück in die alte Normalität?
Auf der anderen Seite gab es aber auch einige selbst ernannte Propheten, die der Meinung waren, dass diese schwierige Situation schnell vorüber gehen würde. Es wäre ja schließlich auch alles nicht so dramatisch, und diese Gefangenschaft würde nicht ewig dauern. Das ist die Situation, in die Gott durch Jeremia spricht. Er lässt seinem Volk ausrichten: „Das, was ihr getan habt, ist keine Lappalie! Ihr habt mir, dem einzig wahren Gott, die Treue gebrochen!“ 

Jeremia 31,31-34:

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Liebe Gemeinde!

Sagt Jeremia das jetzt zu dem Volk damals oder zu uns?
Ist das, was wir erleben eine Strafe?
Oder will Gott einen neuen Bund mit uns. Ich glaube, es geht eher darum, zu begreifen, dass wir nicht alles in der Hand haben. Nicht alles ist planbar – und wir sollten nicht alles machen.

Gott sagt: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.
Gott selbst schreibt in uns hinein, wie Leben funktioniert. Er schreibt es in unser Herz, in unseren Sinn. Das sind die Orte, die unser Handeln bestimmen. Immer wieder wird diese Reihenfolge in der Bibel betont: Gott sieht das Herz an! Und von diesem Herzen her, in das Gott ja selbst hineingeschrieben hat, kann und will dann unser Leben, unser Handeln geprägt sein. 
          So will er unser Gott sein.
Es soll alles anders werden, ruft Jeremia. Auch ihr selbst sollt anders werden. Gott fängt mit euch neu an. Dieser Anfang greift tief in euer Innerstes hinein. Sie hörten Gottes wort und er gab ihnen ein neues Herz, einen neuen Sinn und einen neuen Geist.
Das Volk hatte neue Lust an Gott und seinem Wort und sie wurden wieder sein Volk sein, und er war und blieb ihr Gott. Das jüdische Volk stand damals auf wie Phönix aus der Asche und kam wieder in die Freiheit und nach Hause. Das Volk hatte wieder Freude an seinem Gott. Seine Gebote wurden als hilfreiche Weisung zu einem erfüllten Leben empfunden, die sie sich ganz zu eigen machen.Ein Wunder, dass auf das sechste vorchristliche Jahrhundert beschränkt bleibt. NEIN!  Wenn Gott ein lebendiger Gott ist, gilt seine Verheißung eines neuen Bundes über die damalige Zeit hinaus bis hinein in unsere Gegenwart. Dann ist sie frohe Botschaft auch für uns heute. Auch wir werden aufstehen aus der Asche, doch hoffentlich vergessen wir dann nicht wieder die Worte seiner Liebe zu uns: Ihr seid auch mein Volk. Amen. 

Fürbittengebet

Ewiger Gott, du bist unsere Zuflucht und unsere Hoffnung. Zu dir kommen wir mit unseren Bitten. 

Wir bitten dich heute:

  • für alle Menschen, deren Leben in einer Sackgasse ist. 

Zeige ihnen einen Weg.  

  • für alle Menschen, die unter der Last des Alltags den Blick für die Wunder deiner Schöpfung verlieren. Öffne ihnen neu die Augen. 
  • für alle Menschen, die in Familie und Beruf unter ständigen Konflikten leiden.  Zeige ihnen Möglichkeiten der Versöhnung. 
  • für alle Menschen, die auf eine Erneuerung hoffen im Leben von Kirche und Gemeinde. Lass sie Spuren deines Geistes erkennen.  
  • für alle Menschen, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft und Kirche. Gib, dass sie sich von deinem Geist leiten lassen.  
  • für uns selbst, dass wir immer weitergehen auf dem Weg des Glaubens und der Liebe. 

Ewiger Gott, du bist unsere Zuflucht und unsere Hoffnung. Wir danken dir, dass du deine Hand über uns hältst – heute und in Ewigkeit.