Online Gottesdienst für Juli

Liebe Gemeinde! 

Kennen Sie die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln?
Hameln litt unter einer großen Rattenplage, derer die Stadt selbst nicht Herr wurde, deshalb gingen sie auf das Angebot eines Mannes ein, der versprach die Stadt von den Ratten zu befreien.

Schauen Sie hier den Online Gottesdienst für Juli


Da zog der Rattenfänger seine Pfeife heraus und pfiff eine Melodie. Die Ratten und Mäuse kamen aus allen Häusern hervorgekrochen und sammelten sich um ihn herum. Als er nun meinte, es wäre keine zurückgeblieben, ging er aus der Stadt hinaus; der ganze Haufen folgte ihm nach, stürzte ins Wasser und ertrank.
Als aber die Bürger sich von ihrer Plage befreit sahen, bereuten sie das Versprechen und sie verweigerten dem Mann den Lohn, so dass er zornig und erbittert wegging.
Kurz darauf kehrte er jedoch zurück in Gestalt eines Jägers und ließ, während alle Welt in der Kirche versammelt war, seine Flöte abermals in den Gassen ertönen.
Alsbald kamen diesmal nicht Ratten und Mäuse, sondern Kinder von den vierten Lebensjahren an, in großer Anzahl gelaufen.
Diese führte er, immer spielend, zum Tore hinaus in einen Berg, wo er mit ihnen verschwand. Man hat ihn und die Kinder nie mehr gesehen.
Dieser Rattenfänger ist zu einem „Menschenfänger“ geworden. Und sofort denke ich an das Wort „Walfänger“ (Wal ohne h), Schiffe, die diese schönen Tiere einfangen und direkt auf dem Meer weiterverarbeiten. Kein guter Ort.
Und mir kommt das Wort: Wahlfänger (Wahl dieses Mal mit h) in den Sinn, ein Wort, das Menschen bezeichnet, die andere für ihre Seite mobilisieren möchten. Es sind Leute, die Menschen mit einfachen Botschaften zu locken versuchen, um selber mehr Macht zu bekommen. Populisten sind Menschenfänger. Verführer sind es. Wölfe im Schafspelz. Es sind „Menschenfänger“.
Ich selbst möchte auch nicht gefangen genommen werden und merke, dass ich anfange die Nase über das Wort „Menschenfänger“ zu rümpfen. Menschenfänger sind böse.
Und dann das: In der Bibel eine Geschichte, in der der „Menschenfänger“ positiv dargestellt wird.
Simon Petrus erhält die Zusage in Zukunft ein „Menschenfänger“ bzw. „Menschenfischer“ zu sein. Hören Sie selbst, was Lukas aufschrieb. 

Wir lesen es heute in Lukas 5,1-11:
Es begab sich aber, als Jesus am See Genezareth war, da sah er zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Jesus setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“
5 Und Simon antwortete und sprach: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“
6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“
9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde! 

Menschenfänger sind böse – auf der einen Seite. „Von nun an wirst du Menschen fangen“ – auf der anderen Seite. Natürlich weiß der wohlwollende Hörer oder Hörerin, was gemeint ist: Simon Petrus soll nicht mehr fischen gehen, sondern mit Jesu Hilfe missionieren – predigen und damit Menschen fangen. Die Rede vom Menschenfangen ist nicht besonders gut gelungen, denn sie weckt Assoziationen, die man eigentlich nicht so gerne hätte. Deswegen wird in kirchlichen Kreisen auch lieber von „Menschenfischern“ gesprochen. Petrus, Jakobus und Johannes waren Fischer. Fischer brauchen Geduld, Zeit und Gelassenheit. Mitunter sitzen sie stundenlang am oder auf dem Wasser und machen keinen nennenswerten Fang. Manchmal arbeiten sie eine ganze Nacht lang und bringen am Ende keinen einzigen Fisch mit nach Hause. So passiert es immer wieder. Petrus und seine Mitarbeiter müssen es erleben, als Jesus gerade vorbeikommt. Das ist hart. Denn nach einer erfolglosen Nacht müssen sie trotzdem die Netze säubern und dann zu ihren Familien heimkehren mit leeren Taschen. Nein, ein Fischer kann bei den anderen Berufen seiner Zeit nicht mithalten. Fischer zu sein birgt seine Risiken. Unwägbar ist, ob der Fischer erfolgreich sein wird – und zwar völlig unabhängig von seinen Fähigkeiten und seinem Arbeitseinsatz. Je mehr Stunden Arbeit, desto mehr Fische und Geld – diese Rechnung geht nicht auf. Der Fischer hat eben nicht alles in der Hand. Er ist auf so vieles angewiesen, dass er nicht beeinflussen kann. Fragen bleiben offen, Tag für Tag, Nacht für Nacht: Werden Fischschwärme da sein, wo ich meine Netze auswerfe? Wird das Wetter mitspielen? Werden meine Mühen sich lohnen? Oder steh ich am Ende da wie der Depp, der zwar gearbeitet hat, aber nichts vorweisen kann? 
Genau in so einem schwachen Moment trifft Jesus ja auf den Fischer Petrus. Mit leeren Netzen und einem leeren Boot steht er vor ihm und ist gerade deshalb der richtige Mann. Ausgerechnet diese mit so vielen Unwägbarkeiten befrachtete Berufsgruppe hat Jesus sich ausgesucht. Gerade unter ihnen sucht er seine ersten Mitarbeiter, die auch seine engsten Freunde werden. Jesus beruft diejenigen, die sich auf nichts berufen können. 

Liebe Gemeinde! 

Solche Mitarbeitenden will Jesus offenbar haben, Menschen, die wie die Fischer alles kennen: Erfolg und Misserfolg, Risiko und Einsatz, die Leere und die Fülle. Und die sich einlassen auf das irrsinnig wirkende Vertrauen, wieder und wieder rauszufahren, auch wenn es an manchen Tagen und in manchen Nächten aussichtslos zu sein scheint. Auch Menschenfischer haben nichts in der Hand. Nur die Worte im Mund, die sie wie Netze auswerfen. Und doch kehren sie oft werden mit leeren Netzen zurück. Aber dann wird es immer wieder überraschende Fänge geben, wo das Wort Gottes nicht leer zurückkommt, sondern Frucht bringt, hundertfach, tausendfach. Für diese Fänge, die nicht kalkulierbar sind, aber geschehen werden, sollen sie arbeiten. Wir alle in der Kirche sind solche Menschenfischer. Jesus beauftragt auch uns, sein Wort weiterzusagen und Menschen für ihn zu gewinnen. Oft sind wir verzagt, wenn wir auf erfolgloses Arbeiten oder eine magere Ausbeute blicken. Oder wenn das Arbeiten – wie momentan einem sehr erschwert wird – und man eher im Netzt versucht seine Netze auszuwerfen. Menschenmassen gehen uns dennoch nicht ins Netz. Und trotzdem dürfen wir nicht aufgeben und sollen weitermachen. Jesus sagt zu uns wie zu Simon Petrus: „Fürchte dich nicht. Wirf dein Netz aus!“ Und er weiß, dass nicht alles von Erfolg gekrönt sein wird. Wie die Fischer sollen wir sein. Und das heißt, wir müssen mit dem Frust leben können, dass nicht alles gelingen wird.

Liebe Gemeinde! 

Jesus ist unser großer Mutmacher. Er sagt uns: „Fürchte dich nicht! Wirf dein Netz aus! Du wirst Menschen fangen.“ Auf sein Wort hin tun wir das. Wir werfen die guten Worte Gottes aus – um Menschen für Jesus zu gewinnen. Petri Heil! 
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet: Gott, der du Segen schenkst und uns neue Wege zeigst, wir danken dir, dass du nicht aufhörst, dich uns zuzuwenden.
Gott, der du durch Menschen sprichst und handelst, wir bitten dich für alle, die in deinem Namen um Menschen werben: Dass sie sich nicht selbst erheben und ihre eigenen Wünsche und Gedanken mit deinem Wort verwechseln.
Schenke ihnen einen wachen Geist, Einfühlungsvermögen und Offenheit für Unbekanntes.
Gott, der du durch Menschen sprichst und handelst, wir bitten dich für die Zweifelnden, die sich nicht sicher sind, worauf sie vertrauen können: Erfreue dich an ihrem Suchen nach Wahrheit, begleite sie durch ihre Fragen, ihre Zweifel, und schenke immer wieder begründetes Vertrauen und Zuversicht.
Gott, der du durch Menschen sprichst und handelst, wir bitten dich für jene, die scheitern oder an ihren Aufgaben verzweifeln: Dass sie neue Perspektiven entdecken oder Auswege, wo es nötig ist. Und dass sie Hilfe und Ermutigung erfahren und spüren, was du ihnen zutraust.
Und wir bitten dich für uns, Gott: Hilf uns, deinen Ruf zu hören und deine Ermutigung anzunehmen. 

Segen: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.