Online Gottesdienst für „Pfingsten“ am 31. Mai

Willkommen und herzlichen Glückwunsch, denn heute hat die Kirche Geburtstag. Wir feiern das Fest des Lebens und der Liebe. Wie damals Petrus und die Jünger in Jerusalem werden wir angerührt vom Geist Gottes, der Überraschungen bereithält. 

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Im Psalm 118,24 heißt es: Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Yengasteine und Wörterbuch – Was hat das miteinander zu tun?

Menschen verstehen einander nicht immer. Manchmal ist es, als würden wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Die Bibel berichtet ganz am Anfang von der Sprachverwirrung in Babel – bevor die Pfingstgeschichte ein Gegenbild zeichnet.

Alttestamentliche Lesung: 1. Buch Mose 11,1-9

  1. Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.
  2. Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst.
  3. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel
  4. und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.
  5. Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.
  6. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.
  7. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!
  8. So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen.
  9. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.

Halleluja. Komm hl. Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünd’ in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe. Halleluja

Glaubensbekenntnis eines Konfirmanden:

Ich glaube an Gott, denn er hat die Erde und alle Pflanzen, Tiere und uns Menschen erschaffen.
Ich glaube an Gott, denn er liebt die Menschen, auch wenn sie mal was falsch gemacht haben.
Ich glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der jedem hilft und sich für Schwächere einsetzt.
Ich glaube an Jesus Christus, der die welt verbessert hat und uns große Hoffnung gibt.
Ich glaube an den heiligen Geist, denn mit ihm ist Gott bei uns und hilft uns. Er gibt uns Kraft gegen Ungerechtigkeit und für den Frieden zu kämpfen.

Predigt  zu Apg 2,1-21 

Liebe Gemeinde!

Was babbelst du denn da? Das sage ich zu jemanden, wenn er undeutlich redet oder viel, vielzuviel redet oder dummes Zeug redet. Was babbelst du denn da? An den Ausspruch muss ich immer denken, wenn ich die Geschichte vom Turmbau zu Babel höre oder lese, „weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.“ Gott schuf die sog. „babylonische Sprachverwirrung“.  Der Name Babel drückt das anschaulich aus: die Sprache der Menschen wird füreinander zum unverständlichen Gebrabbel. Menschen vereinzeln und vereinsamen. So ist es, wenn Menschen einander nicht mehr verstehen können. Aber ich möchte den anderen verstehen. Doch ohne einen Sprachübersetzer oder eigene gute Sprachkenntnisse ist man heutzutage ganz schön aufgeschmissen. Ich möchte den anderen verstehen, aber das ist oft nicht so ganz einfach, selsbt wenn er für mich in Deutsch redet. Manchmal redet man halt aneinander vorbei. Ich frage mich: Welche Sprache sprechen wir? Die Sprache der Angst oder die Sprache der Liebe? Die Sprache der Gemeinschaft oder die Sprache der Vereinzelung? Die Apostelgeschichte zeichnet ein Gegenbild (Apg. 2. 1-21)

Menschen aus der ganzen damals bekannten Welt sind in Jerusalem, um das Wochenfest zu feiern: Parther, Meder, Elamiter – und so weiter. Und da geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.  5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.  6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.  7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?  8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?  9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, …

Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.  

12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?  13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. 14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!  15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;  16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):  17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

Liebe Gemeinde!

Es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen. Flammen verteilten sich auf einen jeden von ihren. Die Begeisterung griff wie ein Lauffeuer um sich. Und sie fangen an zu reden von den Wundern Gottes. Petrus, ein einfacher Fischer aus Galiläa, erzählt von seinem Glauben an Jesus und wird verstanden. Er spricht direkt zum Herzen von so vielen Menschen, dass, wie die Apostelgeschichte später weiter erzählt, 3.000 Menschen sich an diesem Tag taufen lassen.

Wie ist das möglich?, frage ich mich. Was will das werden?, fragen die einen, die das Ganze in Jerusalem miterleben. Die anderen bleiben skeptisch. Sie können sich dieses neue Einverständnis nur damit erklären, dass die Jünger wohl zu tief ins Glas geschaut haben. Wie ist das möglich, dass aus verunsicherten und vereinzelten Menschen eine Gemeinschaft wird, die zusammensteht und die andere begeistert und damit ansteckt, dass sie Feuer und Flamme sind? Es war möglich, weil das Herz jedes einzelnen erfüllt vom heiligen Geist brannte. Auch das Herz von Petrus brannte, erfüllt vom heiligen Geist. Er musste einfach erzählen, wovon sein Herz, seine Seele voll war. Er konnte nicht schweigen. Er ist Feuer und Flamme für das Evangelium. Und mit seiner Begeisterung war er – zusammen mit den anderen Jüngern und Jüngerinnen – höchst ansteckend. Und die Botschaft war:  „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden, denn Gott kommt, überraschend und überwältigend. Damals, am ersten Pfingsttag, 50 Tage nach Ostern, kam der Hl. Geist, um Menschen zu begeistern. Damals entstand die Kirche, die Gemeinschaft der Menschen, die an Jesus Christus glauben und mit ihm verbunden sein wollen. Darum sagte ich Eingangs auch: Herzlichen Glückwunsch, denn heute hat die Kirche Geburtstag. Und heute?

Es ist mir noch nie passiert, dass Tausende von Menschen sich nach einer Predigt taufen lassen möchten. Ich habe noch nicht erlebt, dass Menschen einander so tief verstehen, dass neue Gemeinschaften entstehen können, in denen alle dieselbe Sprache sprechen. Meine Realität ist: es gibt Kirche und Kirchen in vielfacher Zersplitterung mit unterschiedlichen Verständnissen und unterschiedlichen Sprachen, mit Konkurrenz untereinander und mit kirchlichen Hierarchien.  Kommt er wirklich, der Heilige Geist, um dessen Kommen wir beten? Und, Hand aufs Herz, wollen wir eigentlich, dass er kommt – so überraschend, überwältigend, umstürzend und alles in Frage stellend? So radikal? Halte ich das überhaupt aus? Ist es nicht auch ganz schön im Gewohnten – besonders jetzt, wo wir es kennengelernt haben – aus dem gewohnten Trott hinaus geschleudert zu werden.

Liebe Gemeinde!

Ich frage mich noch einmal: Welche Sprache spreche ich? Die Sprache der Angst oder die Sprache der Liebe? Ich schaue auf Petrus und die Jünger und ihre brennende Begeisterung. Wofür brennt mein Herz? Wofür brennt dein Herz? Mein Herz brennt nicht dafür, das alles so bleibt wie es ist. Ich möchte, dass Menschen sich öffnen – auch für Neues. Ich möchte, dasst das Misstrauen überwunden wird und echte Lebensfreude sich breit macht. Mein Herz brennt dafür, dass alte Konflikte begraben werden und Neues entstehen kann. Mein Herz brennt dafür, dass eine Gemeinschaft spürbar wird, in der, der  eine die/den andere(n) achtet und respektiert. Eine Gemeinschaft, in der man sich mit Positiven ansteckt: mit Liebe, Vertrauen, Geborgenheit, Ehrlichkeit, Frieden. Wo einer den anderen versteht und sich für ihn oder sie einsetzt. Eine Utopie? Vielleicht. Aber für mich ein wunderbares Bild von Kirche, für das mein Herz brennt.  

Übringens: Ich bin mir sicher: etwas Wunderbares wird geschehen. Wann? Keien Ahnung. Aber bitten wir doch den Heiligen Geist, dass er kommt – und uns begeistert, damit wir füreinander brennen und mit freudig brennenden Herzen die Liebe Gottes empfangen. Amen.

Fürbittengebet:

Lebendiger Gott, Heiliger Geist, wir danken dir, dass du uns ins Leben rufst und in Bewegung bringst. Lehre uns, die Sprache der Liebe zu sprechen und unsere Hände zu öffnen für das, was du uns schenkst. Gott, Heiliger Geist, Tröster, wir bitten dich um deinen Trost für Menschen, die um einen Angehörigen trauern. 

Tröste sie und sei ihnen nahe. 
Hilf ihnen zu trauern und Abschied zu nehmen. 
Halte die Menschen, die verstorben sind, in deiner Hand.
Gott, Heiliger Geist, wir bitten dich für Kranke und Sterbende. 
Für Hoffnungslose und Verzweifelte. 
Für Menschen, die unter Menschen leiden. 
Schenke deinen Trost und deine Nähe. 

Gott, Heiliger Geist, Geist des Trostes; wir bitten dich, gib Geistesgegenwart, wo wir Entscheidungen zu treffen und zu verantworten haben. Wehre Geistlosigkeit und Einfallslosigkeit. Schenke es, dass wir das lange Bewährte, das Vertraute und das Gewohnte prüfen – und wenn es sein muss, verlassen, und ins Leben aufbrechen.