Online Gottesdienst für „Rogate“ am 17. Mai

„Rogate“ Betet – heißt der heutige Sonntag. 

Im Mittelpunkt steht das Gebet, das Jesus uns selbst zu beten gelehrt hat. Im Wochenspruch aus Psalm 66,20 heißt es:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. 

Psalm 66,20

So lasst uns diesen Gottesdienst feiern mit Lob und Bitte: Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Gebet: Herr, unser Gott, wir fragen uns: 
Wann haben wir zuletzt deine Nähe gesucht?
Was trauen wir noch der Kraft des Gebets zu? 
Wie oft leben wir gedankenlos in den Tag hinein? 
Wo bist du uns wichtig im Alltag, bei der Arbeit und in der Freizeit?
Wir erkennen, wie oft wir dich aus dem Blick verlieren und bitten dich um dein Erbarmen.
Und wir bitten dich:
Segne unser Beten und Hören, denn du bist unser Herr und Gott, heute und alle Tage.

Lesungen:  Die Frage, wie wir beten können, haben schon die Jünger an Jesus gerichtet. 
Im Lukasevangelium hören wir, was Jesus über das Beten sagt. 

Evangelium: Lukas 11,2-13:

Jesus sprach zu den Jüngern: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.  Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

5 Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;  6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,  7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.  8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.  10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.  11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange?  12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion?  13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Halleluja. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Halleluja. 

Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer:

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, 
als mit unseren vermeintlichen Guttaten. 
Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Liebe Gemeinde!

Wie ist das eigentlich, wenn Sie beten? Wann beten Sie? Zu festen Zeiten, wenn es Ihnen gut geht oder besonders schlecht? Beten Sie jetzt in diesen Coronazeiten? Und um was?

Ich ertappe mich dabei: In meinen Gebeten geht es oft um mich, um meine kleine Welt, um die Probleme, dich mich umtreiben. Und ich bitte Gott, dass er für mich zum Problemlöser wird – und wenn irgend möglich, sollen sich die Probleme doch bitte schnell lösen.
Ich instrumentalisiere Gott gewissermaßen als Problemlöser für mich und die Menschen, mit denen ich verbunden bin.

Und wenn ich so mal wieder bete, dann denke ich daran, was ich den Konfirmanden immer wieder sage: Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat! Am Beispiel Schule heißt das: „Wenn Du nicht gelernt hast, dann kann er Dir auch in der Prüfung nicht helfen.“ Aber Prüfungen gibt es auch in einer ganz anderen Art, und ich denke unwillkürlich an den alten Spruch: „Not lehrt Beten“.
Stimmt, bei Krankheit, in persönlichen Notsituationen oder wenn etwas Schlimmes auf der Erde passiert, wie dieser Virus, dann beten wir eher als wenn es uns gut geht.
Bei Naturkatastrophen oder einem Terroranschlag finden sich Menschen in der Kirche ein, um zusammen zu beten. Doch um was bitten wir denn da Gott? Doch meistens darum, dass er uns hilft ein Problem schnell zu lösen. Wie war das? Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat! Ja, aber wie soll man dann denn beten? Das fragten auch die Jünger Jesus.Und er lehrt sie das Vater unser. 

In Matthäus 6,5-15 heißt es:
»Und wenn ihr betet, dann tut das nicht wie die Heuchler! Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, um von den Menschen gesehen zu werden. 

Ich versichere euch: Diese Leute haben ihren Lohn schon erhalten! Wenn du beten willst, zieh dich zurück in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu und bete zu deinem Vater. Denn er ist auch da, wo niemand zuschaut. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. Leiere nicht gedankenlos Gebete herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie würden bei Gott etwas erreichen, wenn sie nur viele Worte machen. Folgt nicht ihrem schlechten Beispiel, denn euer Vater weiß genau, was ihr braucht, schon bevor ihr ihn um etwas bittet. 

Ihr sollt deshalb so beten:
Unser Vater im Himmel! Dein heiliger Name soll geehrt werden.
Lass dein Reich kommen.
Dein Wille geschehe hier auf der Erde, so wie er im Himmel geschieht. 
Gib uns auch heute, was wir zum Leben brauchen, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden, sondern befreie uns von dem Bösen.
Euer Vater im Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt, die euch Unrecht getan haben. Wenn ihr ihnen aber nicht vergebt, dann wird Gott auch eure Schuld nicht vergeben.«

Liebe Gemeinde!

Schon die Anrede macht deutlich: 
Gebet bedeutet in die Gegenwart Gottes treten, des Vaters, der seine Kinder liebt und dem sie wichtig sind. 

                            Das ist schon einmal das Wichtigste: 
Es geht beim Gebet nicht um mich und meine Probleme.
Es geht um Gott, den Vater, um die Begegnung mit ihm, den ich Papa nennen darf.
Und nicht nur ich, wir alle können uns so vertraut an ihn wenden. Gott ist unser Vater. Wir alle sind seine Kinder und darum eigentlich alle Brüder und Schwestern, weil wir vor Gott alle gleich wertvoll sind.

Und so betet Jesus weiter. „Geheiligt werde Dein Name, Gott.“
Nichts und niemand anderes soll Herr sein in unserem Leben und über uns bestimmen. Das Smartphone nicht und auch nicht das Geld, kein Politiker und kein anderer Mensch. Gott selbst halten wir heilig, wenn wir ihn allein den Herrn sein lassen über unser Leben.
Und dann können wir auch beten: „Dein Reich, Gott, komme.
         Dein göttlicher Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“
Zeige mir, Gott, was Dir wichtig ist. 
        Zeige mir, welche Anliegen Du hast für mich, 
für die Menschen mit denen ich verbunden bin, 
        unsere Gemeinde, unsere Stadt, unser Land, unsere Welt.
Nicht unser Wille, sondern Gottes Wille soll geschehen, auch wenn ich ihn nicht immer verstehe, so wie momentan in den Zeiten von Corona. 
Aber sein Wille ist wesentlich besser als die sog. Paradiese von Menschen, die sich dann oft als Hölle erwiesen. 

Unser tägliches Brot gib uns heute. Ich habe genug zu essen, eher muss ich aufpassen, dass es nicht zu viel wird. 
        Auch sonst habe ich alles, was ich zum Leben brauche. 
Aber ich weiß, wie vielen Menschen es am Nötigsten fehlt. 
Ich kann heutzutage nicht um das tägliche Brot bitten, 
ohne an all die Notleidenden zu denken. Weil ich wünsche, dass alle Menschen bekommen, was sie zum Leben brauchen, darum bete ich: Unser tägliches Brot gib uns heute. 
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Unsere Gesellschaft ist oft erbarmungslos. 
Ohne Gnade werden Fehler verfolgt, obwohl wir wissen könnten, dass keiner leben kann, ohne schuldig zu werden.  
Meist lässt sich nicht rückgängig machen, was wir einander antun; wir sind darauf angewiesen, dass wir Vergebung erfahren und lernen, zu vergeben. 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Wenn ich nur an mich, mein Fortkommen und nicht mehr an andere denke, hat das auch etwas mit Versuchung zu tun. Wenn nur meine Wünsche die Mitte aller meiner Gebete sind, dann sehe ich in Gott nur einen Wunscherfüllungsautomat.
Dann habe ich vergessen, dass der himlische Vater – trotz allem – nur Gutes für uns, seine Kinder will. Darum sollten wir eher beten: Hilf uns das Gute im Schweren zu erkennen, im Besten aller Gebete: dem Vater unser. Amen.

Fürbittengebet:

Jesus Christus, du hast uns gelehrt, wie wir beten können. 
Darum kommen wir zu dir und beten dich an zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Wir rufen: VATER UNSER IM HIMMEL.

Erschrocken sind wir darüber, wie oft dein Name missbraucht wird. Menschen führen in deinem Namen Kriege, üben Hass und Gewalt. Wir bitten dich, dass wir und alle Verantwortlichen lernen, in Wort und Tat dich zu ehren und zu fürchten. Darum beten wir: GEHEILIGT WERDE DEIN NAME.

Wir sehen Leid und Unfrieden in vielen Ländern der Erde, aber auch bei uns und in unserer Umgebung. Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit und beten: DEIN REICH KOMME.

Wir sehen, wie die ganze Schöpfung ächzt durch unsere Ausbeutung, wir sehen die Zerstörung der Regenwälder und die Gefährdung des Klimas. Wir bitten für deine ganze Schöpfung, Wasser, Erde und Luft, für die Pflanzen und Tiere und rufen zu dir: DEIN WILLE GESCHEHE, WIE IM HIMMEL, SO AUF ERDEN.

So vielen Menschen fehlt es am Nötigsten zum Leben, Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und die Zuwendung von anderen Menschen. Für sie alle und auch für uns bitten wir dich: UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Immer wieder werden wir schuldig an dir und an unseren Mitmenschen. Manchmal gewollt, manchmal ohne Absicht verletzen wir uns. Wir bitten dich für uns alle, die wir schuldig werden, und die wir unbarmherzig sind im Umgang mit anderen: VERGIB UNS UNSERE SCHULD, WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

Macht, Geld und Reichtum, das sind die Versuchungen, die uns und so viele dazu treiben, zu tun, was nicht gut ist. Wir bitten dich für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, aber auch für jede und jeden von uns: FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG, SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

All das, was uns sonst bewegt, bringen wir nun in der Stille vor dich….. Stille….
So vertrauen wir uns miteinander dir an und preisen dich: DEIN IST DAS REICH UND DIE KRAFT UND DIE HERRLICHKEIT IN EWIGKEIT.

AMEN.