Online Gottesdienst für September

Liebe Gemeinde!

Sehen Sie hier den Online Gottesdienst für September

Haben Sie früher oder heutzutage schon mal versucht, einen Blick auf eine bekannte Persönlichkeit werfen zu können?
Waren Sie dafür am Straßenrand oder in einem Konzert? Oder haben versucht ein Autogramm zu bekommen?
Ich frage mich: Warum machen wir das?
Was steckt hinter diesem Wunsch, jemanden leibhaftig zu sehen, den man ansonsten nur aus der Zeitung oder dem Fernsehen kennt? 
Ein Hauch Weltgeschichte live erleben? Wem das gelungen ist, der wird bestimmt ein Leben lang davon erzählen: „Du weißt du, ich habe damals dem x die Hand geschüttelt. Und der y bin ich ganz nahegekommen. Und einer von den „zs“  hat mir ein Autogramm auf meinen Gips geschrieben…“ Ein Hauch Weltgeschichte live erleben! Das ist oft der Antrieb heute und damals vor 2000 Jahren. Als Jesus schon ziemlich bekannt geworden war, kam er nach Jericho. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht verbreitet. Die Menschen waren aus ihren Häusern gekommen, um Jesus zu sehen. Unter den Menschen war auch einer, der war ziemlich klein. Zachäus, ein Zöllner. 
Ziemlich unbeliebt, weil man ihm nachsagte, er haue die Menschen beim Zolleinnehmen übers Ohr.  Auch er wollte unbedingt Jesus sehen. Aber Zachäus, der Zöllner, war klein. Vielleicht noch kleiner als ich. Und ich habe manchmal den Luxus, dass man mich vorlässt. Doch Zachäus, der Zöllner, weiß ganz genau: „Mich wird keiner vorlassen, damit ich besser sehen kann. Aber ich will Jesus sehen. Was mache ich nur?“ Da sieht er den Baum, der am Straßenrand steht und er denkt sich: „Jesus ist dort hinten und er will bestimmt weiter hinein in die Innenstadt, da muss er hier vorbeikommen.“ Schnell klettert er auf diesen Baum und legt sich auf eine Astgabel, damit er festen Halt hat und doch auch einen guten Blick auf Jesus werfen kann.
Jesus, seine Jünger und alle, die ihn begleiten kommen näher. Zachäus, der Zöllner, hört schon die Stimme Jesu. Nur noch ein paar Meter, dann ist Jesus ganz nah bei ihm. „Ach, wenn er nur einmal kurz den Blick zu mir erheben würde?“, denkt Zachäus. Und da bleibt Jesus stehen – ausgerechnet unter seinem Baum! Jesus schaut nach oben und sieht den Zolleinnehmer. „O je, er hat mich gesehen! Was denkt er bloß von mir, der doch alles wissen soll!“ Doch da ruft Jesus zu ihm herauf: „Zachäus, komm runter, ich will mich bei dir zum Essen einladen.“ „Bei mir? ER kommt zu mir!“ So schnell konnte niemand gucken, wie Zachäus vom Baum runtersprang und auch seien Gedanken überschlugen sich: „Was für eine Ehre! Nur wie sieht es bei mir zu Hause aus, ich war doch gar nicht darauf vorbereitet! Er kommt zu mir! Zu mir, den sonst alle meiden… Was soll ich ihm nur vorsetzen? Was will er nur bei mir? Mir Vorhaltungen über mein Leben machen? Nur gut, dass ich neuen Wein den habe, den habe ich als Schmiergeld letztens bekommen…
Was kann ich ihm sagen? Hoffentlich verlangt er nicht, dass ich ihm alles beichte, dass würde Stunden dauern, obwohl, dann er wäre er echt lange bei mir…. Was wohl die anderen jetzt denken, wenn er bei mir zu Gast ist…bei mir!“

Liebe Gemeinde!

Was würden Sie als Nachbar von einem Zachäus jetzt denken?

  • Ausgerechnet bei diesem Betrüger, diesem Dieb und Halsabschneider will Jesus essen?
  • Der Arme, endlich jemand, der sich mal freundlich dem Zachäus zuwendet und nicht nur weil er etwas von ihm will und ihn besticht.
  • Dieser überhebliche Kerl bekommt mal wieder eine Extrawurst – wie immer. Wie macht er das nur? 
  • Jetzt hat dieser Jesus richtig was zu tun und kann dem Kerl mal eine gepflegte Gardinenpredigt halten.
  • Ob Jesus merkt, wie einsam dieser Typ eigentlich ist?  Wenigstens einen sollte es doch geben, der ehrliches Interesse an einem zeigt.
  • Ob ich Zachäus meine Hilfe anbieten soll? Dann kann ich auch in Jesu Nähe sein und mir mal das Haus von diesem Neureichen genau ansehen. Das will Jesus wahrscheinlich ja auch!

Liebe Gemeinde!

Es gibt ja einen Unterschied zwischen Neugier und Interesse. Jesus ist kein Spanner. Es geht ihm um den Menschen, der ihm auf dem weg begegnet. Darum kann man ihm alles erzählen, was einem auf dem Herzen liegt. Ohne Angst, dass es gleich überall weitererzählt wird. Deswegen darf er sich auch umschauen im Haus, kann ruhig sehen, wie Zachäus so lebt. Sein Leben darf ihn etwas angehen. Und Zachäus erzählt und bewirtet seinen Gast, während die draußen vor der Türe murrten: „Bei einem Sünder ist er eingekehrt!“ Zachäus erzählt von seinem Leben, von seiner Arbeit und Jesus hört zu. Erzählen! Wie ist das bei Ihnen? Erzählen Sie allen alles? Bestimmt nicht!? Manches erzählt man nur den engsten Freunden oder Familienangehörigen. Anderes erzählt man gar nicht, weil man niemanden belasten möchte oder es niemanden etwas angeht. Manches schleppt man mit sich herum und drückt wie eine Last auf einem: eine Sorge, eine Schuld, ein Bild, ein Schamgefühl…Zachäus erzählt und Jesus hört zu. „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“ Auch ein Jesuswort. Was immer euch bedrückt – ich will dafür sorgen, dass es euch leichter wird. Wahrscheinlich haben die Menschen zu Jesu Zeiten ähnliche Sorgen gehabt wie Menschen heute. Sorgen ums tägliche Brot. Sorgen um die Kinder. Sie fragen sich, ob sie ihr Leben richtig führen. Streiten sich mit den Nachbarn. Trauern um die Verstorbenen. Haben Angst vor Krankheit und Tod. Mühen sich Tag für Tag und freuen sich über das ein oder andere kleine Glück. Und Jesus? Er hat keine Missernte verhindert.  

  • Er hat das Land nicht von der römischen Besatzung befreit.
  • Er hat keine Kindergärten und keine Altersheime aufgebaut. 
  • Er ist durch die Gegend gezogen, hat mit und zu den Menschen gesprochen, ist in ihre Häuser und Hütten gekommen, hat sich von ihnen einladen lassen. Hat mit ihnen am Tisch gesessen, gegessen und diskutiert. Wunder werden von ihm erzählt. In seiner Nähe werden Menschen gesund und heil weil er sie sieht, wie sie sind! Sie werden gesund – Innen und außen.

Leicht wird den Menschen ums Herz im Kontakt mit Jesus. Mehr noch als äußere Gebrechen sind es die seelischen Verkrümmungen, die sich unter Jesu Wort lösen. Wie heißt es in einem Lied: „Denn es lebt sich leichter mit leichtem Gepäck?“ Auch bei Zachäus ändert sich was. Kurz bevor Jesus wieder aufbricht sagt Zachäus zu Jesus: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 

Liebe Gemeinde!

Die Mathematikerin in mir sagt sofort: „Dann hat er selbst kaum noch was zum Leben, wenn er das ernsthaft durchzieht!“ Die Skeptikerin: „Das sind leere Worte – wird er so nicht machen!“ Die Neidvolle: Was für ein Vermögen hat er angesammelt?! Die Christin: Er vertraut auf Gott, auf die Vergebung und hat die Angst vor dem Leben und die Zukunft verloren. 
Zachäus hat eine neue Chance geschenkt bekommen, sein Leben leichter zu leben. Jesus sagt: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Wir sind alle Kinder Gottes. Auch wir erhalten die Chance, unser Leben leichter zu gestalten. Also woran hängt dein Herz? Was fürchtest du zu verlieren? Wer viel besitzt, hat viel zu verlieren. Und wer viel verloren hat, Arbeit, Geld, Familie, braucht vielleicht mehr als Worte. Doch viele finden zu ihm und ihre Herzen werden weicher. Viele atmen freier. Viele gehen aufrechter. Weil es leichter geworden ist. So etwas „in echt“ zu erleben, kann ein Leben ändern. Wir erhalten die Chance, unser Leben leichter zu gestalten, denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Amen. 
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet

Gott, dein Friede möge wachsen unter uns. Für uns und für alle, die uneins sind, bitten wir – uneins mit sich, mit den Menschen, mit der Welt: Versöhne sie mit sich, versöhne die Familien, Nachbarn und Völker. Wir bitten dich: dein Friede möge wachsen unter uns. Gott, wir bitten dich für die Verzweifelnden, die Kranken, die Sterbenden: Nimm ihnen die Angst, gib ihnen Menschen zur Seite, die ihnen gut tun. Wir bitten dich: dein Friede möge wachsen unter uns.Gott, wir bitten dich für die politisch Verantwortlichen: Gib ihnen Vernunft und Augenmaß ebenso wie Mut und den Willen zum Wohl aller. Wir bitten dich: dein Friede möge wachsen unter uns. Gott, wir bitten dich für uns in den Kirchen und Gemeinden dieser Welt, dass wir fröhliche und glaubwürdige Botschafter deiner Liebe und Freundlichkeit sind. Dass wir einander in unserer Verschiedenheit achten und unsere Gemeinsamkeiten nutzen, der Erde ein menschliches Gesicht zu geben.  Wir bitten dich: dein Friede möge wachsen unter uns.