Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. (5. Mose 6,5)
Liebe Gemeinde!
Kennen Sie dieses Gefühl, zerrissen zu sein zwischen allen Terminen, Pflichten, eigenen Wünschen und Aufgaben? Es ist, als ob man zwischen den verschiedenen Zentren des eigenen Lebens
- zwischen du, ich und wir,
- zwischen Familie und Arbeit,
- zwischen jetzt nicht, aber gleich,
- zwischen….
hin und her springt. Dieses Gefühl, nichts und niemanden gerecht zu werden, kann einen fertig machen. Und jetzt dieses Wort: Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Und ich merke, wie die kleine Stimme in mir sagt: „Nicht noch eine Anforderung mehr! Ich habe doch da nur diesen einen Wunsch, die innere Unruhe abzulegen und nicht mehr zerrissen zu sein. Ich möchte Ruhe finden zwischen all den vielen Erwartungen, die im Alltag auf mich einprasseln. Ich möchte heil werden, in mir ruhen können, ganz sein. Ganz werden mit ganzem Herz, ganzer Seele, ganzer Kraft …. Aber halt, ist das nicht das, was Gott von mir wünscht? Ich soll – nein, ich darf ihn lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft – mit meinem ganzen Sein.“
Vielleicht ging es dem Volk Israel damals genauso wie mir heute. Sie hatten gerade die 10 Gebote erhalten, die eigentlich schon schwer genug sind sie einzuhalten.
- Du sollst nicht begehren, obwohl das, was der andere hat, so schön ist.
- Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen, obwohl man dann selbst doch viel besser dastehen würde.
- Du sollst keine Gegenstände von jemanden oder Ideen oder gar die Zeit eines anderen stehlen.
- Du sollst niemanden – auch nicht im Gedanken – erschlagen….
Und nun bekamen sie noch eines dazu: Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Waren denn die 10 Gebote nicht genug? Offenbar nicht, denn Gott will den Menschen damals und uns heute ganz deutlich sagen, dass wir unser ganzes Leben auf ihn allein ausrichten sollen mit all unserem Handeln, Tun und Lassen. Gott sollen wir zum Mittelpunkt unseres Lebens machen und bewusst nach seinem Willen leben und entscheiden. Er allein will und soll unser Zentrum sein. Und wenn er es alleine auch ist, dann brauche ich mich nicht mehr zerreißen zu lassen zwischen allen anderen Dingen.
Wenn ich alleine Gott zu meinem Zentrum mache (1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben), dann zerreiße ich mich nicht mehr zwischen all den anderen Punkten meines Lebens.
Wenn ich alleine Gott zu meinem Zentrum mache, dann darf ich fragen: Ist der nächste Termin im Sinne Gottes sich für das Leben und die Liebe einzusetzen oder nicht? Und gilt meine Liebe nur mir oder auch meinem Nächsten – selbst, wenn er mir fremd ist?
Wenn ich alleine Gott zu meinem Zentrum mache, dann kann ich wieder ganz werden und eins mit mir selbst werden. Und wenn wir alle, Gott zu unserem alleinigen Zentrum machen, dann werden wir eins: eine Weltgemeinschaft, die in Frieden und ohne äußere und innere Zerrissenheit füreinander einsteht.
Und das ist etwas, was ich Ihnen und uns allen wünsche.
Ihre Pfarrerin

