Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Jes 58,7

Foto: Lotz

Liebe Gemeinde,

Wie verbringen Sie Ihe Fastentage? Der Advent ist nämlich eine Fastenzeit. Daran erinnert uns nicht nur der heutige Text aus dem unser Monatsspruch stammt, sondern auch das lilafarbene Tuch (Antependium), das vor unserer Kanzel hängt.  Die violette Farbe ist die Farbe der Besinnung, der Buße, der Einkehr und Umkehr. 
Der Advent galt wie die vorösterliche Bußzeit einst als strenge Fastenzeit und begann unmittelbar nach dem Martinstag am 11. November. Das ist auch der Grund, warum am 11.11. der Karneval einerseits anfängt und andererseits wieder aufs Eis gelegt wird – bis zum Christfest. 
Die orthodoxen Kirchen begehen den Advent bis heute sechswöchig als Fastenzeit, und zwar ab dem 15. November bis zum 24. Dezember. Die Bezeichnung Advent ist dort nicht so verbreitet und wird erst in jüngerer Zeit verwendet.

Und wie verbringen wir heute unsere Fastentage im Advent? 

Wir gehen unseren Geschäften nach bzw. sind mit dem Besorgen von Geschenken äußerst beschäftigt und gestresst. Streit ist damit oft genug vorprogamiert. Die Mitarbeiter werden sogar noch ein bisschen mehr gescheucht um rechtzeitig die Jahresabschlüsse zu bekommen. Verzichten wird abei auf Plätzchen, Printen, Gans und co? Unvorstellbar in dieser Zeit, in der die Geschäfte voll davon sind.
Wir machen alles andere, aber wir fasten nicht. Allerdings ein bloßer Verzicht auf Essen und Trinken ist zwar für den Körper gut, aber nicht für die Seele. Wenn wir dabei traurig sind und allein, ist das kein Ding, an dem der Herr Freude hat.
Besser wäre es, wenn wir die Fesseln der Einsamkeit lösen würden. Rufen Sie mal jemanden an, mit dem Sie schon lange nicht mehr gesprochen haben. Setzen Sie sich für Menschen ein, die Unrecht erfahren haben. Spenden Sie dort, wo Ihr Herz schlägt: Für Kinder, Tiere, Natur, für Hilsorganisationen, diakonische Einrichtungen,… 
Reden Sie mit Menschen, die in ihrer eigenen Welt und Vorstellungen gefangen sind. Das alles erfreut unseren Gott und wäre eine schöne Vorbereitung auf die Ankunft unseres Herrn.
Lassen Sie anderen Menschen ihre Freiheit und Freiraum. Und achten Sie bei Ihrem Einkauf darauf, dass die Dinge in ihrem Warenkorb nicht andere Menschen in die moderne Sklaverei treibt.

Wir können heutzutage viel Gutes bewirken in dieser Zeit der Besinunng und Einkehr, wenn wir Herz, Augen und Ohren öffen. Wir können viel machen gegen Unterdrückung, dem Hunger und Obdachlosigkeit in der Welt und hier bei uns. 
Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck, was alles bis Heilgabend erledigt sein muss, befreien Sie sich vom selbstgewählten Joch der Perfektion und genießen Sie Ruhe, Stille, die Lichter, z.B. bei einer schönen Tasse Tee und einem guten Buch – vielleicht auch mal das Buch der Bücher – die Bibel, in dem folgender Text steht beim Propheten Jesaja 58, 3-7: „Wie verbringt ihr denn eure Fastentage? Ihr geht wie gewöhnlich euren Geschäften nach und treibt eure Arbeiter genauso an wie sonst auch. 4Ihr fastet zwar, aber gleichzeitig zankt und streitet ihr und schlagt mit roher Faust zu. Wenn das ein Fasten sein soll, dann höre ich eure Gebete nicht! 5Denkt ihr, mir einen Gefallen zu tun, wenn ihr bloß auf Essen und Trinken verzichtet, den Kopf hängen lasst und euch in Trauergewändern in die Asche setzt? Nennt ihr so etwas ›Fasten‹? Ist das ein Tag, an dem ich, der Herr, Freude habe?

6Nein – ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln der Menschen, die man zu Unrecht gefangen hält, befreit sie vom drückenden Joch der Sklaverei und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! 7Teilt euer Brot mit den Hungrigen, nehmt Obdachlose bei euch auf, und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt, und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!“

In Anlehnung an den Text des Jesajas hat Friedrich Karl Barth 1977  ein Liedtext verfasst: „Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied,  teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel.
Dieser Text/dieses Lied ist nicht nur ein Auftrag für die vier Wochen des Adventes sondern ein Ganzjahresauftrag für das neue Kirchenjahr, das mit dem 1. Advent beginnt!

Eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen.Und ich hoffe und bete mit Ihnen zusammen, dass wir alle  gesund in und durch das Jahr 2021 kommen.

Ihre Pfarrerin