Gott, Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder (1.Kön 8,39)

Foto: Lehmann

Liebe Gemeinde,

Vor 3.000 Jahren betet so der König Salomo: „Du allein, Gott, kennst das Herz aller Menschenkinder.“
Er betet das öffentlich und laut, als er den Tempel in Jerusalem einweiht. Im Tempel werden in der Bundeslade die 10 Gebote aufbewahrt, die das Volk von Gott durch Mose bekommen hat.
Der weise König Salomo macht bei der Einweihung des Tempels deutlich, dass dieses, von menschlicher Hand gefertigte Bauwerk, Gott nicht in seiner Majestät und Größe fassen oder gar eingrenzen kann.

Hier im Tempel von Jerusalem werden die Menschen fortan das Gefühl haben, Gott besonders nahe zu kommen. 
Ein Gefühl, das so manch einer kennt, der heutzutage in die Kirche geht. Andere widerum sagen, sie gehen in die Kirche um sich zu sammeln und ihre Gedanken neu zu sortieren, indem sie sie vor Gott bringen. Und die Dritten sagen: „Ich kann auch zu Hause beten, da hört Gott mich auch.“ Alle, die so sprechen, wissen – wie einst Salomo -, dass Gott unser Herz kennt und unsere Gedanken sieht.

Und es muss uns nicht unangenehm sein, dass Gott unser Herz kennt. „Herz“ meint im Altem Testament das gesamte geistige und seelische Zentrum eines Menschen. Wo sich der Wille und die guten Gedanken eines Menschen bilden, da ist sein Herz.

Einerseits: Super, endlich einer der mich versteht ohne viel Gerede. Andererseits: Peinlich, Gott kennt auch meine nicht ganz so netten Gedanken. Er weiß von meinen vorläufigen Überlegungen, die zur konkreten Tat werden können. Das Herz entscheidet auch, wem wir vertrauen, auf wen wir uns verlassen. Das „Herz“ steht für unsere Gedanken, unseren Willen und unser Handeln.

Aber Gott ist nicht wie die Polizei. Er kontrolliert nicht dauernd, ob wir etwas falsch machen. Er ist auch nicht darauf aus, uns „Strafzettel“ auszuteilen, wenn er ein Vergehen bei uns entdeckt.

SEIN Interesse an unserem Herz hängt mit SEINEM HERZ zusammen: ER liebt uns von ganzem Herzen, obwohl wir ihm nichts vormachen können. Er kennt meine Ängste und Sorgen, gerade jetzt in dieser Krisenzeit.

In seinem Gebet reflektiert Salomo über Krisenereignisse, wie sie im Leben seines Volkes geschehen könnten. Er spricht davon, dass das Volk Israel plötzliche Seuchen und wirtschaftliche Not erfahren könnte. Und wenn das geschehe, dann möge Gott hören, wenn sich die Menschen zu ihm wenden und ihn um Hilfe bitten. Ich selbst habe das schon als Kind im Gebet gelernt: „Ich bin klein, mein Herz mach rein. Soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“

„Gott, Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder!“ So können und dürfen wir beten. Gott schleicht sich nicht wie ein Spion in unser Herz, um uns auszuhorchen, oder gar um Fehler bei uns zu finden.
Gott kommt in unser Herz, damit er unser Herz frei machen kann, und wir uns eng mit ihm verbunden fühlen – zu jeder Zeit.  Amen.

Es grüßt Sie alle herzlichst
Ihre Pfarrerin