Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn diese Menschen schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Lukas 19,40

Liebe Gemeinde,

Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern: „Geht hinüber in das Dorf. Dort werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt’s her! Und wenn euch jemand fragt: Warum ..?, dann sagt: Der Herr bedarf seiner.“ 

Und die Jünger handelten so und brachten das Eselsfüllen zu Jesus. Jesus setzte sich darauf und zog damit nach Jerusalem. Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider auf den Weg. Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ 

Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

Mit diesen Worten nimmt Jesus Bezug auf den alttestamentlichen Propheten Habakuk, der auch davon schreibt, dass die Steine in den Mauern schreien werden, wenn das Gericht Gottes kommt.

Aber können denn Steine anstelle von Menschen schreien? Natürlich können Steine nicht in diesem Sinne schreien. Ihr Schreien ist gleichnishaft zu verstehen, denkt man an Ruinen oder durch Naturkatastrophen oder kriegerische Ereignisse zerstörte Städte, die unübersehbar von Not, Tod und Elend künden.

Doch auch die Steine aus denen Kirchen und sakrale Bauten bestehen, sagen etwas aus. Unsere Martin-Luther-Kirche erinnert mich z.B. in ihrer Form an ein großes Zelt. Man kommt im Foyer herein und erst nach ein paar Schritten sieht man die Höhe des Kirchenraumes. „Das Zelt Gottes bei den Menschen“, so nannte das durch die Wüste wandernde Volk Israel das Zelt, in der sich die Bundeslade mit den 10 Geboten befand.

Für sie war es tröstlich zu wissen, dass Ihr Gott bei ihnen war. 

Auch wir sind auf der Wanderschaft heute in einer Wüstenzeit, die uns der Virus Covid-19 beschert. 

Unsere Martin-Luther-Kirche kann zwar nicht mitwandern, doch schon der Blick auf sie kann trösten, weil sie auch ein Stück Heimat symbolisiert. Ihre pure Existenz bezeugt unseren christlichen Glauben. Die Steine der Kirchen loben Gott, denn es ist ein Gebäude, das zu Gottes Ehre errichtet wurde, zu seinem Lob. 

Auch die Steine unserer Kirche loben Gott, gerade dann, wenn wir nicht in ihr singen dürfen, da die Ansteckungsgefahr zu groß ist. 

Die Steine unserer Martin-Luther-Kirche erinnern uns an Geduld und Toleranz.

Und sie mahnen uns zum Frieden. Die Botschaft, dass Jesus der Friedenskönig ist, der von Gott gesandte Heiland der Welt, die lässt sich nicht unterdrücken. Diese gute Nachricht kann niemand aufhalten, weil Gott zur Not die Steine diese Botschaft hinausschreien lassen wird.

Die Steine unserer Martin-Luther-Kirche bezeugen aber auch den Glauben daran, dass Gott uns schützt. Wir sind in Gott geborgen fast wie in einer Burg. 

So denke ich an Martin Luthers Lied: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ Die festen Wände aus Stein bezeugen, dass wir bei Gott sicher und geborgen sind bei allem Leid und Elend, das uns persönlich betreffen mag. 

Auch wenn wir Menschen schweigen, weil wir nicht singen können, nicht zusammen Feste und Gottesdienste feiern können, so erzählen die Steine doch von Zuversicht, Trost und der Gewissheit, dass Gott immer noch da ist. Die Mauern sprechen von der Verheißung, dass es wieder besser wird. Die Mauern sprechen von der Freude des Wiedersehens.Und ich freue mich schon jetzt darauf, Sie bald in der Kirche wiedersehen zu dürfen

Ihre Pfarrerin