Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Könige 19,7)

Foto: Lotz

Liebe Gemeinde,

was für ein Hin und Her! Was für ein Durcheinander! Das Leben des Pro- pheten Elia ist spannend und bewegt und ein ständiger Wechsel zwischen Todesgefahr und neuem Mut, zwischen Bedrohung und Erfolg. Was war geschehen?
Elia hat als Prophet dem amtierenden König Ahab vorgeworfen, dass er nicht die Gebote Gottes beachtet und stattdessen anderen Göttern – den Baalen – nachgerannt sei, und darum würde nun so eine Dürre im Land herrschen. Elia selbst betete zu Gott auf den Gipfel des Karmel und schaute zum Meer hin, bis eine kleine Wolke aus dem Meer aufstieg. Der Himmel wurde schwarz von Wolken und Wind, und es kam ein großer Regen.
Das Volk freute sich, aber die Königin Isebel wurde zornig auf Elia, da er einerseits ihre Götter und die Priester des Baals besiegt hatte. Und was sie noch wütender machte, war die Tatsache, dass Elia die vielen Baalspriester hat töten lassen. Die Königin sagte daraufhin zu Elia: „Du lachst über Baal und seine Priester, weil dein Gott mächtiger zu sein scheint. Wehe und warte, bald wird die Welt über dich lachen und dich vergessen, weil ich dich töten lasse.“
Bis dahin war ja alles gut gegangen im Leben von Elia, auch wenn es bei ihm mal Höhen oder Tiefen gab. Aber wo ist nun die Garantie, dass er auch diese brenzlige Situation wieder überstehen wird? Langsam ist er es leid, immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt zu werden.
Auch wer viele gute Erfahrungen mit seinem Gott gemacht hat, kann sich nie ganz sicher sein, dass ihm nichts ernsthaft Schlimmes passieren kann. Und so lief Elia um sein Leben, hinein in die Wüste. Dort setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: „Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.“

Was muss in einem Menschen vorgehen, dass er so läuft und dann so redet? Natürlich ist es zunächst die Angst vor dem Zorn und der Macht der Königin, in deren Hände er nicht fallen will. Aber leben will er auch nicht mehr. Dieses ständige Auf und Ab, dies Hin und Her, die Spannung und die Entspannung, die Angst und die Rettung, der Erfolg und die angedrohte Gewalt. Wie soll er das noch länger ertragen? Er kann es nicht mehr ertragen, darum bittet er Gott, sein Leben zu beenden. Er möchte seine Ruhe haben.

So manch einer wünscht sich seine Ruhe, vor allem, wenn das Leben körperlich zunehmend eingeschränkt wird. Aber Müdigkeit ist keine Frage des Alters. Wie oft hat sie auch mit mangelnder Zukunft zu tun?! Wer keine Hoffnung hat, dass es ein sinnvolles Leben gibt, der wird seine Müdigkeit allein nicht wieder los.
Und die Müdigkeit bei Elia ist sehr groß geworden. Er legt sich hin und schläft unter dem Ginster ein, wohl in der Hoffnung, nie mehr aufwachen zu müssen. Er war einfach lebensmüde, vielleicht denkt er: „Ich weiß nicht mehr, wie es noch weitergehen soll. Ich weiß auch nicht, was ich noch tun soll. So jedenfalls kann es nicht mehr weitergehen. Ich habe keine Kraft mehr, wirklich etwas zu verändern. Ich weiß ja auch nicht, was oder wie. Es hat alles keinen Sinn mehr.“
Und dann ist auf einmal dort jemand, der ihn anrührt und spricht: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Und Elia sah sich um, und zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Elia aß und trank, schlief, wurde wieder vom Engel des Herrn geweckt, aß und trank wieder.
Danach ging Elia durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb, und das war schon ein sehr anstrengender Weg. Aber Elia schaffte auch diesen Weg. Dort angekommen, durfte er die Herrlichkeit Gottes sehen in einem „sanften Säuseln“ und erhielt seine letzten Aufträge. Als er diese nach ein paar Jahren erledigt hatte, nimmt Gott ihn in den Himmel auf.
Auch wenn wir schreien: „Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele!“, weil man zu viel schon mitgemacht hat, an Krankheiten, Mobbing, Perspek- tivlosigkeit …, so lässt Gott uns ausrichten: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Und das Beste ist: Gott ist auf diesem Weg bei uns.

Gehen Sie mit Gott und bleiben/werden Sie gesund
Ihre Pfarrerin