Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9

Liebe Gemeinde,

der Prophet Jeremia lebte in der turbulentesten Zeit in der Geschichte Israels. Wenn ich normalerweise Israel sage, dann meine ich oft das ganze Land, das den zwölf Stämmen verheißen wurde. Aber als Jeremia prophezeite, waren die Stämme miteinander in den Krieg gezogen, und hatten sich in nördliche und südliche Königreiche aufgeteilt.

Das nördliche Königreich wurde Israel und manchmal auch Ephraim genannt. Jeremia selbst prophezeite im Süden, genannt Juda, in der auch die Stadt Jerusalem mit dem Tempel lag. Er predigte dem Volk von 626 bis 585 v. Chr., dass es umkehren solle zu Gott, und jahrelang prophezeite er ihnen den Untergang Jerusalems und des Tempels, der im Jahr 586 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar II tatsächlich eintrat.

Menschen, die anderen Menschen etwas Unangenehmes sagen, sind nicht sehr beliebt. Wer möchte schon hören, dass man seinen Lebensstil ändern muss, weil sonst eine Katastrophe auf einen zukommt?

Was passiert, wenn wir weiter mit der Welt umgehen, als ob wir noch eine zweite in Reserve hätten? Wer will schon büßen und beten? Wohl nicht allzu viele, wenn ich mir die Zahlen am Buß- und Bettag anschaue.

Jeremia war aufgrund seiner Reden sehr unbeliebt. Er wurde in eine Grube geworfen, er galt als Verräter, wurde nach Ägypten verschleppt und dort (wahrscheinlich) gesteinigt.

Doch in unserem heutigen Text erzählt Jeremia von einem Tag, an dem Israel wieder mit Juda vereint sein wird, und sie die Freude erkennen werden, Gott wieder zu dienen. Jeremia schreibt: „Siehe, ich will sie aus dem Lande des Nordens bringen und will sie sammeln von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen. Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“

Ja, das ist das Versprechen an Israel. Obwohl die Dinge unglaublich düster aussehen, werden sie es nicht immer sein. Während Gott dieses Gericht zugelassen hat, wird er sein Volk wieder versammeln. Die Arbeit, die er begann in Abraham, wird weitergehen. Der Tempel, das Gesetz und die Verheißungen des Messias stehen immer noch.

Und es ist nicht nur eine Verheißung an die zwölf Stämme, es ist auch eine Verheißung an die christliche Kirche. Es wird immer eine christliche Kirche geben. Auch wenn wir jetzt in Zeiten von Corona noch weniger Menschen sind, die real in die Kirche kommen, so sind wir doch im Gebet miteinander verbunden. Auch wenn die Austrittszahlen steigen, wenn das Kircheneinkommen sinkt und die Prognosen nicht gut sind … es wird immer eine christliche Kirche geben.

Das ist natürlich eine sehr große Prophezeiung, die ich da aus Jeremias Worten höre. Doch ich erinnere mich daran, dass alttestamentliche Prophezeiungen in der Regel eine sofortige Erfüllung und eine spätere Erfüllung haben.

Die sofortige Erfüllung war folgende: Mit der Zeit fand Nebukadnezar zum Glauben an den Gott der Hebräer, und er und seine Nachfolger erlaubten den Hebräern sogar, in ihre Heimat zurückzukehren und den Tempel wieder aufzubauen. Es wurde in der Tat auf den Straßen getanzt, als der Tempel wieder aufgebaut und neu geweiht wurde und über 500 Jahre stand, bevor die Römer ihn 70 n. Chr. zerstörten.

Die spätere Erfüllung kam in Jesus Christus. Er gab seinen Jüngern den Befehl: „Gehet hin und lehret alle Völker: taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Mt. 28,19+20a)

Zu allen Nationen zu gehen und die Auserwählten durch Verkündigung zu sammeln, ist die Fortsetzung von Jeremias Verheißung einer großen Gemeinde, die Gott trösten und leiten will.

Und wenn Christus uns außerdem verspricht: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, so heißt das für mich, dass es immer eine christliche Gemeinschaft geben wird.

Jesu Wort geht weiter in die Welt hinaus, um das ganze Volk Gottes zu vereinen. Jeremias Prophezeiung erfüllt sich bis heute. Diejenigen, die von Gott entfernt sind, wie König Nebukadnezar, finden zum Glauben zurück, und alle, die sich entfernt haben, kehren vor Freude weinend nach Hause zurück, wo Gott sie in seinem Reich, das mitten unter uns ist, trösten und leiten will.

Ihre Pfarrerin