Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. 2. Korinther 5,19

Foto: Lotz

Liebe Gemeinde,

Versöhnung ist die Grundlage für ein wahrhaft menschliches Zusammenleben. Denn nur durch die Kraft der Versöhnung, die der in Christus mit Gott versöhnte Mensch ausstrahlt, können die großen politischen, weltanschaulichen und gesellschaftlichen Gegensätze unserer Zeit überwunden werden.
Wir brauchen heute und in Zukunft nicht Menschen, die – starr ihren religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen verhaftet – andere um dieser Überzeugung willen bekämpfen, sondern wir brauchen Menschen, die aus dem Geist der Versöhnung heraus ihre Mitmenschen in ihrer andersgearteten Einstellung tolerieren.
Wir brauchen Menschen, die dazu bereit sind, im Geist der Liebe Gottes und der Versöhnung Jesu Christi trotz Hass, Streit, Mord und Krieg daran zu glauben, dass alle Menschen von Gott geschaffen sind, dass allen Menschen etwas Gutes innewohnt und dass die Menschen auf das Gute angesprochen werden müssen. Wenn wir unsere Mitmenschen ansehen mit den Augen des Hasses, der Rache und des Misstrauens, dann dürfen wir von ihnen auch nichts anderes erwarten als Hass, Rache und Misstrauen.
Das schlechte Wort, das wir zum Mitmenschen sprechen, bringt auch nur etwas Schlechtes hervor. Das gute, versöhnende Wort zum anderen, die gute Meinung vom anderen kann das Gute im Mitmenschen ansprechen und zum Leuchten bringen.
Der jüdische Literat Max Tau, ein Bote der menschlichen Liebe und Versöhnung, sagt: „So schön kann die Welt für jeden sein, wenn er Liebe genug hat, um im Bruder, im Nächsten, alles zum Blühen zu bringen. Ohne Zuspruch gedeiht nichts. Das gute Wort, das von Herzen kommt, bringt das Beste im Menschen zum Wachsen. Darum versuche, überall das Beste zu sehen. Nichts kann dir mehr helfen.
Es geht dabei nicht darum, die Augen vor dem Bösen in der Welt zu verschließen, sondern „das Böse in der Welt zu erkennen, dabei aber doch an das Gute zu glauben“.
Es ist das TROTZDEM DER VERSÖHNUNG, welches dem christlichen Glauben seine Kraft gibt. Es sind nicht Dogmen und Lehrsätze, es ist die Kraft der Liebe und der Versöhnung, die GELEBT werden will.
Jesus Christus hat uns diese Versöhnung vorgelebt. Wer ihm nachfolgen will, der lasse sich in Christus versöhnen mit Gott, und lebe aus der Kraft seiner Versöhnung. 

Das ist die beste Möglichkeit, unsere Welt zu verbessern.

Mit einem herzlichen Shalom

Pfarrer i. R. Hans-Ulrich Rosocha, Evangelischer Vorsitzender
der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mönchengladbach e.V.