Über den Tellerrand schauen! Teil11

Barbaratag

Seit dem 12. Jahrhundert ist für die katholische und griechisch-orthodoxe Kirche der 4. Dezember der Barbaratag. An diesem Tag werden Zweige überwiegend von Obstbäumen wie Äpfeln, Kirschen oder Aprikosen, aber ggf. auch von Birken, Haselnuss, Kastanien oder Forsythienzweige geschnitten. Die Zweige werden zu Hause in eine Vase gestellt und beginnen um die Weihnachtszeit zu blühen. Der Tradition nach bedeutet dies, dass man im kommenden Jahr auf eine gute Ernte hoffen darf.

Welch ein Lichtblick in dunkler Zeit. Doch wer war diese Barbara?

Die Statue der heiligen Barbara, Margaret und Elisabeth auf der Karlsbrücke (Prag, Tschechien). 1707 von Ferdinand Brokoff

Der Legende nach lebte die heilige Barbara um 300 nach Christus in Kleinasien oder im Libanon. Sie war eine schöne und kluge junge Frau, die sehr begehrt war. Sie wies jedoch alle Verehrer ab. Sie wollte lieber Christin werden. Ihr reicher und einflußreiche Vater sperrte sie in einem Turm ein, zum einen um sie vom Christentum abzuhalten und sie zum anderen mit einem Jüngling des kaiserlichen Hofes zu verheiraten. 

Mit Marterungen und Peinigungen versuchte der Vater seine Tochter umzustimmen, doch dadurch wurde sie noch mehr in ihrem Glauben bestärkt. Als ihr Vater erfuhr, dass sie sich, vom Heiligen Geist erleuchtet, taufen ließ, wollte er sie töten. Barbara entkam ihrem Turm und floh. 

In einer Felsspalte, die sich wundersamerweise vor ihr öffnete, verbarg sie sich. Von einem Hirten verraten, der hinterher zu Stein wurde, fand sie der Vater und schleppte sie vor den römischen Statthalter, der sie öffentlich foltern und bis zur Urteilsverkündung ins Gefängnis werfen ließ.

Auf dem Weg dorthin blieb sie angeblich an einigen Zweigen hängen. 

Den abgebrochenen Zweig nahm sie mit und stellte ihn später in ein Gefäß mit Wasser. Er soll an genau dem Tag aufgeblüht sein, an dem sie zum Tode verurteilt wurde.

Wie ein Licht in der Dunkelheit werden ihr wohl die Knospen in ihrem Gefängnis vorgekommen sein. Vielleicht gilt sie deshalb als Schutzpatronin der Sterbenden, der Gefangenen, den Helfern des Technischen Hilfswerks, der Bergleute …., denn auch sie alle benötigen ein Licht in der Dunkelheit. In fast jedem Bergwerk gibt es unter Tage Altäre und Schreine für die heilige Barbara. Und an Bergmannsuniformen findet man häufig 29 Knöpfe, in Anlehnung an die 29 Lebensjahre der heiligen Barbara.

Ein Licht in der Dunkelheit ist es auch für Kinder, wenn der Nikolaus mit seinen Gaben kommt. Wussten Sie eigentlich, dass es dazu auch eine weibliche Variante gibt? Im Oberallgäu gibt es das Bärbeletreiben. Dort ziehen als alte Weiber verkleidete junge Frauen mit Glocken und Weidenruten durch die Straßen. Mit Rutenhieben wollen sie alles Böse und Unanständige vertreiben, beschenken aber die braven Kinder mit Äpfeln und Nüssen.

Ein Licht in der Dunkelheit ist für viele Menschen heutzutage auch der Weihnachtsbaum. Vermutlich geht einer seiner Ursprünge auf das Aufstellen eines ganzen Barbarabaumes zurück, der im 13. Jahrhundert erstmals schriftliche Erwähnung fand.

Uns darf zu Weihnachten auch ein Licht aufgehen in der Dunkelheit – auch im Angesicht dessen, was uns Angst macht.

Ihre Pfarrerin